Magnet-Schwebebahn
China will Transrapid geschenkt

Am liebsten hätte China die Transrapid-Technologie geschenkt und Deutschland soll am Ende sogar noch Geld drauflegen. Dass deswegen die Verhandlungen ins Stocken geraten, erscheint Beobachtern in Peking wenig verwunderlich.

HB PEKING. Unverständnis erntet der chinesische Projektleiter Wu Xiangming, der den Deutschen sogar vorwirft, dass sie das Geld, das sie in ihre teure Magnetbahntechnologie gesteckt haben, auch noch zurückhaben wollen. „Wenn die deutsche Industrie meint, sie habe so viel Geld bezahlt, müsste alles wieder bekommen und noch hohe Profite machen, dann wird die Strecke nicht entstehen“, hatte „Commander Wu“ gedroht.

Er war verärgert, nachdem schon Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch im Mai in Schanghai betont hatte, die Deutschen hätten beim Verkauf von Spitzentechnologie wie dem Transrapid „nichts zu verschenken“. Der Schutz des technischen „Kern-Know-Hows“ gehöre zur Sicherung des Wohlstandes in Deutschland, lautete ihre Botschaft in Schanghai, als sie mit der ersten kommerziellen Transrapid-Strecke der Welt zum Flughafen Pudong gefahren war. Zuvor hatte die chinesische Seite vergeblich versucht, bei dem Besuch der Kanzlerin Konzessionen zu erreichen - mehr Technologietransfer, niedrigere Preise und eventuell billige Regierungskredite.

Die Rechnung war nicht aufgegangen, so dass die chinesische Seite jetzt argumentiert, die geplante rund 170 Kilometer lange Strecke in die Nachbarstadt Hangzhou müsse auch gar nicht gebaut werden. Der Vizedirektor der zuständigen Reform- und Entwicklungskommission der Provinz Zhejiang, Chai Xianlong, sagte, die Magnetbahn wäre verzichtbar und kein bisschen eilig. Dabei hatte es bisher geheißen, sie müsse unbedingt bis 2010 zur Weltausstellung in Schanghai fertig werden, um Mill. von Gästen zum Gelände zu bringen. Beide Seiten hatten immer argumentiert, der Bau müsse dieses Jahr beginnen, sonst werde es eng. Doch jetzt wird erst einmal gepokert.

Die deutschen Vorschläge liegen seit Ende des Jahres auf dem Tisch. Es gab Fortschritte in den Verhandlungen. Das Transrapid- Konsortium zeigt sich unbeirrt und demonstrativ optimistisch, dass es weitergeht. Die Verhandlungen sind auch keineswegs unterbrochen, sondern laufen weiter.

China will die Technologie haben, um in der Magnettechnologie selber führend zu werden. Auch soll die deutsche Regierung das Vorhaben wie bereits bei der ersten Flughafenstrecke finanziell unterstützen. Ein Gemeinschaftsunternehmen soll gegründet werden und die meisten Komponenten und die Ausrüstung in China hergestellt werden. Nur noch zehn Prozent sollen aus Deutschland kommen. Doch diese chinesischen Vorstellungen stoßen beim Transrapid-Konsortium auf wenig Gegenliebe. Die Deutschen wollen nur Lizenzen vergeben.

Natürlich wäre eine 200 Kilometer lange Transrapid-Strecke in China in der Zukunft ein gutes Verkaufsargument für die deutsche Spitzentechnologie, vor allem weil sie bisher nicht in ihrem Heimatland zu finden ist. Doch das Konsortium will keinen „Verlustauftrag“ abschließen und erst recht sicherstellen, dass die Technologie auch in Zukunft in deutschen Händen bleibt und nicht „Made in China“ wird.

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