Magyar Aluminium
Unglückskonzern in Ungarn wird verstaatlicht

Die ungarische Regierung wird das für das Rotschlamm-Desaster im Westen des Landes verantwortliche Unternehmen MAL (Magyar Aluminium) verstaatlichen. Indes ist die Höhe des Schadens in der betroffenen Region immer noch unklar.
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WIEN. Ministerpräsident Viktor Orban kündigte die Verstaatlichung am Montag in einer Parlamentsdebatte in Budapest an. Nach Angaben des Premiers war der MAL-Vorstandschef Zoltan Bakonyi zuvor von der Polizei verhaftet worden.

Knapp eine Woche nach dem Dammbruch eines mit giftigem Rotschlamm gefüllten Speichers nahe des Dorfes Kolontar ist die genaue Schadenshöhe immer noch unklar. Umweltstaatssekretär Zoltan Illes bezifferte allein den bisher ermittelten Schaden an Natur und Flüssen auf umgerechnet 70 Mio. Euro. Der Schaden der durch die Schlammflut beschädigten Gebäude wird dabei nicht mitgerechnet. Aus Sorge vor einem weiteren Dammbruch war die Ortschaft am Wochenende evakuiert worden. Versicherer des Aluminiumherstellers MAL ist der Münchener Allianz-Konzern.

Neues Gesetz im Eilverfahren

"Das Unternehmen, das diese Katastrophe verursacht hat, muss unter staatliche Kontrolle kommen", sagte Ministerpräsident Orban im Parlament. Dass das MAL-Vermögen beschlagnahmt werde, sei eine logische Konsequenz. Damit der Aluminiumhersteller überhaupt verstaatlicht werden konnte, musste das Parlament am Montag im Schnelldurchgang eine "Lex MAL" beschließen. In Notsituationen dürfen danach künftig grundsätzlich Unternehmen verstaatlicht werden. In der Vergangenheit habe die Regierung so etwas nicht gewagt "und die Milliardäre sind immer davongekommen", sagte der Premier.

Orban begründete die Verhaftung von MAL-Firmenchef Bakonyi mit dem gewaltigen Schaden, den die Schlammwelle ausgelöst hat. Die betroffene Region sei auf Dauer "unbewohnbar". MAL gehört zu den größeren Industrieunternehmen des Landes. Etwa 1 500 Mitarbeiter zählt der Aluminiumhersteller, der auch deutsche Kunden beliefert.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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