Mahle-Chef Heinz Junker
„Völlig unangebracht und fehl am Platz“

Deutschlands viertgrößter Autozulieferer Mahle kauft eine Firma nach der anderen und will gleichzeitig Hunderte Stellen streichen. Konzernchef Junker erklärt, wie das zusammen passt - und kündigt weitere Übernahmen an.
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StuttgartEs ist der 23. Zukauf in zehn Jahren. Mit der Klimatechnik-Sparte seines US-Rivalen Delphi übernimmt der Stuttgarter Mahle-Konzern ein Geschäft mit 7600 Mitarbeitern und einer Milliarde Euro Umsatz. Deutschlands viertgrößter Autozulieferer wächst auf knapp 74.000 Mitarbeiter an. Künftiger Jahresumsatz: Rund elf Milliarden Euro.

Herr Junker, Sie haben seit 2005 mehr als 20 Firmen mit 32.000 Mitarbeitern übernommen. Kann Mahle nur durch Zukäufe wachsen?
Heinz Junker: Mahle ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten in der Tat sehr stark gewachsen. Aber mit einer gesunden Mischung aus organischem Wachstum und Zukäufen.

Mit dem Kauf der Delphi-Sparte für 640 Millionen Euro steigt Mahle zu einem der Marktführer für Klimatechnik auf. Warum ist Ihnen Größe so wichtig?
Es ist unser Ziel, in jedem Geschäftsfeld zu den Top-3-Anbietern im Weltmarkt zu gehören. Ansonsten ist man in unserem Umfeld langfristig nicht wettbewerbsfähig.

In Deutschland wollen Sie Hunderte Stellen abbauen und fordern Gehaltsverzicht. Zahlen die Mitarbeiter Mahles Shoppingtour?
Der Ausdruck Shoppingtour ist völlig unangebracht und fehl am Platz. Wir gehen ja nicht in den Supermarkt und kaufen was uns gerade Spaß macht, sondern wir betreiben strategische Portfolio-Politik. An einigen westeuropäischen Standorten müssen wir Kosten senken, um diese mittel- und langfristig wettbewerbsfähig zu halten. Das hat nichts mit der Akquisition von Delphi Thermal zu tun.

Die neue Sparte hat Werke in Polen, Ungarn und der Slowakei. Was bedeutet das für Ihre Klimatechnik-Standorte in Mühlacker, Neustadt an der Donau oder Kirchberg?
Das hat keine Auswirkungen. Eine starke Präsenz mit Produktionsstandorten in Osteuropa ist heute unumgänglich. Die Akquisition von Delphi Thermal erspart uns deshalb weitere große Investitionen in unsere dortigen Kapazitäten. Der Standort in Ungarn produziert darüber hinaus ausschließlich Klimakompressoren, ein Produkt, das bisher in unserem Thermomanagement-Bereich fehlte.

Am 1. Juli wechseln Sie in den Aufsichtsrat. Welches ist das dringendste Projekt für Ihren Nachfolger Wolf-Henning Scheider?
Es gibt immer eine Vielzahl von wichtigen Themen in der Geschäftsführung. Dazu gehören sicher ein aktives Produktportfolio-Management und weiteres nachhaltiges und profitables Wachstum - auch mit einer aktiven Akquisitionspolitik.

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  • Kostensenkung = Menschenvernichtung! Wieso können Manager nicht anders denken? 1 Mitarbeiter weniger = 1000 Euro mehr auf dem Gehaltskonto des Manager. Sieht so das neue Menschenbild aus.  Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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