MAN-Aktie legt deutlich zu
VW sondiert Einstieg bei MAN-Nutzfahrzeugsparte

Europas größter Autokonzern Volkswagen hat Branchenkreisen zufolge Gespräche über einen Einstieg beim Nutzfahrzeughersteller MAN aufgenommen. Es gebe aber noch keine Verhandlungen, erfuhr Reuters am Montag aus Branchenkreisen. Auch Einzelheiten einer Übernahme der MAN-Sparte Nutzfahrzeuge oder einer Kooperation stünden nicht fest. Offiziell lehnten beide Unternehmen sowie wichtige Anteilseigener von MAN weiterhin jeden Kommentar ab.

Reuters HANNOVER. „Es ist klar, dass die miteinander reden und da ist dann auch die Allianz dabei“, hieß es am Montag in den Kreisen. Es sei noch nichts festgezurrt. „Und es gibt auch eigentlich noch keine Verhandlungen im engen Sinne.“ MAN-Großaktionär Allianz hält über die Tochter Regina gut ein Viertel an MAN. Eine Option ist laut Branchenkreisen, dass VW den Allianz-Anteil übernimmt. „VW steigt nur ein, wenn die den Nutzfahrzeugbereich aus MAN herausbrechen können“, hieß es in den Kreisen weiter. Bis Ende des Jahres könne sich dies entscheiden.

Eine Herauslösung der MAN-Nutzfahrzeugsparte wurde in der Branche wie an der Börse als Beginn einer Zerschlagung des gesamten Konzerns gewertet. Das Münchner Unternehmen baut neben Nutzfahrzeugen auch Dieselmotoren für Schiffe, Druckmaschinen und verschiedene andere Industrieanlagen. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ will VW die MAN-Lkw- und Bussparte mit zuletzt 6,5 Mrd. € Jahresumsatz aus dem Konzern heraustrennen und dann übernehmen. Bei der Allianz hieß es wie auch bei den anderen MAN-Großaktionären Münchener Rück und Commerzbank übereinstimmend: „Kein Kommentar.“

"Keine Gespräche zwischen VW und Volvo"

Volkswagen-Sprecher Dirk Große-Leege wies unterdessen Berichte aus Kreisen des Volvo-Konzerns zurück, wonach VW auch mit dem weltweit zweitgrößten Lastwagenhersteller über einen Kauf der Volvo-Anteile am heimischen Konkurrenten Scania verhandele: „Wir beabsichtigen nicht - wie schon früher geäußert - die Scania-Anteile von Volvo zu übernehmen. Es gab dazu auch keine Gespräche“, sagte Große-Leege der Nachrichtenagentur Reuters.

Aus Kreisen des Volvo-Konzerns hatte es zuvor geheißen, dass zwischen beiden Unternehmen zu diesem Thema konkrete Gespräche auf hoher Ebene stattgefunden hätten. Das schwedische Unternehmen hält knapp ein Drittel der Stimmrechte an Scania, an dem auch Volkswagen beteiligt ist. Volvo muss sich aus kartellrechtlichen Gründen von den Scania-Anteilen trennen. „Es wurde kein formelles Angebot gemacht, aber man kann mit einem guten Preis rechnen, weil Scania sich während der Flaute des Lkw-Marktes gut gehalten hat“, hieß es.

In Presseberichten war bereits darüber spekuliert worden, ob VW eine „Dreierlösung“ mit MAN und Scania anstrebt. VW-Chef Bernd Pischetsrieder bereitet seit längerem einen Ausbau der Nutzfahrzeugsparte seines Hauses vor. Erklärtes Ziel ist eine vollständige Produktpalette von Kleintransportern bis hin zu Schwerlastwagen. Bislang stellt VW Campingfahrzeuge und Transporter unter 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht her. Lediglich in Brasilien baut VW schwere Lkw, allerdings ausschließlich für den südamerikanischen Markt.

Abstimmung zwischen MAN und Scania problematisch

Offen ist wie VW sich verhält, wenn der schwedische Konkurrent Volvo im kommenden Frühjahr seinen Anteil von 45 % an Scania aus kartellrechtlichen Gründen verkaufen muss. Als Problem für VW wird die Abstimmung zwischen MAN und Scania gesehen, auch wenn letztere beiden kürzlich eine Kooperation zum Austausch von Lkw-Komponenten vereinbart haben. Aus anderen Kreisen hieß es, möglicherweise sei für VW und MAN eine Kooperation sinnvoller als eine komplette Übernahme.

„Es gibt noch die Möglichkeit, dass VW MAN kauft und dann mit Scania kooperiert“, sagte ein deutscher Auto-Analyst. Er halte es für unwahrscheinlich, dass Volvo seinen Scania-Anzeil an VW verkauft. Michael Punzet, Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz sieht hohe Kosten auf VW zukommen: „Eine Teil-Übernahme von MAN macht aus meiner Sicht nur Sinn, wenn man auch den Scania-Anteil aufstockt. Und dann wird es sehr teuer.“

Ungewisse Zukunft für MAN

Mit einer Herauslösung der Nutzfahrzeugesparte würde der wichtigste Bereich aus dem MAN-Konzern herausgelöst. Der Ertrag der LKW-Sparte stützt bisher wesentlich das Konzernergebnis. MAN hatte sich in der Vergangenheit stets kritisch zu Zusammenschlüssen seiner Nutzfahrzeugsparte mit Konkurrenten geäußert und eher auf Kooperationen gesetzt.

Hauptsorgenkind bei MAN ist - neben den aktuellen Problemen bei dem Offenbacher Druckmaschinenhersteller MAN Roland - nach wie vor die defizitäre Bussparte, die ihren Vorsteuerverlust von 30 Mill. auf 84 Mill. € ausweitete. Im ersten Quartal 2003 zog der Busbereich die Nutzfahrzeugsparte erneut in die roten Zahlen. Allerdings fiel der Vorsteuerverlust mit 19 Mill. € rund 40 % niedriger aus als ein Jahr zuvor.

Die MAN-Aktie reagierte am Montagnachmittag mit einem Plus von 4.5 % auf 16,45 €. Das Bankhaus Merck Finck stufte das MAN-Papier auf „Outperformer“ hoch von „Marketperformer“. Auch die Kurse von Allianz, Commerzbank und Münchener Rück legten zu. Die VW-Aktie stieg nur leicht um 0,85 % auf 37,70 €.

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