Mit einer Übernahme von Scania wollte MAN zur Nummer Eins im europäischen Lastwagen-Markt aufsteigen. Doch der weltweite Boom im Lkw-Geschäft lässt bei MAN die Pläne für eine Allianz mit dem Konkurrenten in den Hintergrund rücken. Die Prioritäten haben sich verschoben.
HB MÜNCHEN. „Wir haben keine Eile. Jetzt konzentrieren wir uns auf organisches Wachstum“, sagte Vorstandschef Hakan Samuelsson am Mittwochabend in München. Er verwies auf prallvolle Auftragsbücher und voll ausgelastete Werke. MAN strebe aber das Dreierbündnis mit Scania und der Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen nach wie vor an. „Um weiterzukommen, müssen wir eine einvernehmliche Lösung ohne Verlierer suchen.“
MAN hatte vor gut einem Jahr ein Übernahmeangebot für Scania vorgelegt, um zur Nummer Eins im europäischen Lastwagen-Markt aufzusteigen. Die gut zehn Milliarden. schwere Offerte scheiterte am Widerstand aus Schweden. Seitdem herrscht offiziell Funkstille. Im Sommer hatte Samuelsson noch auf eine Lösung bis Ende dieses Jahres gedrängt, war davon aber abgerückt.
„Wir haben Geduld zu warten“, betonte Samuelsson nun – wie lange noch, wollte er nicht verraten. „Wir spekulieren nicht über einen Zeitplan.“ Die Fäden hält ohnehin VW-Patriarch und MAN-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech in der Hand. Der Wolfsburger Autokonzern ist sowohl bei MAN als auch bei Scania größter Aktionär. Samuelsson legte sich nicht auf eine Fusion oder Akquisition fest: „Wir sind offen für alle Möglichkeiten der Partnerschaft.“
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Der Lastwagen- und Maschinenbaukonzern steuert mit hohem Tempo auf ein weiteres Rekordjahr zu. Von Januar bis November sei der Umsatz um 14 Prozent gewachsen, der Auftragseingang um 24 Prozent. Das Wachstumstempo sei noch etwas höher ausgefallen als in den ersten drei Quartalen. Bis zum Jahresende will MAN den Umsatz um 15 Prozent auf 15 Mrd. Euro aufstocken. Der Auftragseingang von 16,6 Mrd. Euro im Vorjahr soll um mehr als zehn Prozent anziehen. Beim operativen Gewinn ist ein Sprung auf 1,6 Mrd. von zuletzt 1,1 Mrd. Euro angepeilt.
Der starke Auftragseingang sei eine gute Basis fürs nächste Jahr. „Wir werden 2008 ein Plus im Umsatz und eine weitere Ergebnisverbesserung haben“, sagte Samuelsson. Wachstumstreiber bleibe Osteuropa, wo der Markt 2007 um 60 Prozent zulegen werde, erläuterte der Chef der Nutzfahrzeugsparte, Anton Weinmann. „Das Ziel von 100 000 Lkw werden wir im nächsten Jahr erreichen“, bekräftigte er. Auch danach werde ein Wachstum über zehn Prozent pro Jahr angepeilt. „Wir erwarten in den nächsten Jahren steigende Marktvolumina in Europa.“
Einziges Sorgenkind des Konzerns bleibt das Busgeschäft. Der Umbau und die Verlagerung der Produktion von Stadtbussen von Salzgitter nach Polen müssten 2008 abgeschlossen werden, sagte Samuelsson. Das Geschäftsfeld soll schon im laufenden vierten Quartal wieder schwarze Zahlen schreiben.

