
Handelsblatt: Herr Pachta-Reyhofen, die Autohersteller fahren wieder Sonderschichten. Wie läuft das Lkw-Geschäft?
Pachta-Reyhofen: Es zieht wieder an. Seit November 2009 steigen die Aufträge kontinuierlich. Es dauert allerdings ein paar Monate, bis sich das in der Fertigung niederschlägt, deshalb war die Auslastung der Produktion im Januar und Februar noch schlecht. Seit März ist das anders, wir schreiben auch bei den Nutzfahrzeugen in Europa wieder schwarze Zahlen. Daher wage ich die Prognose, dass wir ab dem zweiten Quartal auch das Gesamtjahr positiv abschließen werden.
HB: Läuft dann die Kurzarbeit aus?
Pachta-Reyhofen: Die Beschäftigungslage wird von Monat zu Monat besser. Im vergangenen Jahr mussten wir die Hofbestände abbauen, die sind jetzt mit 6 500 Einheiten auf einem gesunden Maß. Jeder Lkw, der bestellt wird, muss neu produziert werden. Im vergangenen Jahr haben wir in Europa knapp über 40 000 Lkw produziert, in diesem Jahr werden es mehr als 50 000 sein.
HB: Selbst dann sind Ihre Werke in Europa nicht ausgelastet. Sie haben im Boom 2007 und 2008 Ihre Kapazitäten aufgestockt und in Polen sogar ein neues Werk gebaut.
Pachta-Reyhofen: Die Kapazitäten, die wir heute haben, sind hochflexibel. Wir können verschiedene Schichtmodelle fahren, Zeitkonten aufbauen und bis zu 20 Prozent Leiharbeiter einsetzen. Zudem haben wir unsere Kosten um gut 700 Mio. Euro gedrückt, die Hälfte davon ist nachhaltig und wird uns weiter entlasten. Und das Umfeld bessert sich auch. Wir gehen davon aus, im Jahr 2012 wieder das Marktniveau von 2006 zu erreichen.
HB: Was unterscheidet den aktuellen Aufschwung von dem Boom vor der Krise?
Pachta-Reyhofen: In den Jahren 2007 und 2008 hatten wir einen europäischen Boom, jetzt erleben wir den Aufschwung der Schwellenländer. Wir werden dazu aus Europa Fahrzeuge und Komponenten liefern, maßgeblich wird aber vor Ort produziert.
HB: Vor einem Jahr wurden Sie noch heftig gescholten, als Sie das Lkw-Geschäft Ihres Großaktionärs Volkswagen in Brasilien übernommen haben.
Pachta-Reyhofen: Ich habe die Kritik nie verstanden. Schon damals war klar: Brasilien ist ein Wachstumsmarkt, das Durchschnittsalter der Fahrzeuge dort beträgt 18 Jahre statt gut zehn Jahren wie in Europa. Wir gehen davon aus, in diesem Jahr mehr als 50 000 Lkw unter der von MAN Latin America weiter genutzten Marke VW in Brasilien zu verkaufen. Es könnten eher deutlich mehr sein. Damit ist Brasilien von den Stückzahlen her genauso wichtig wie Europa.
HB: Bislang verkaufen Sie nur die Marke VW in Brasilien, wann kommt MAN?
Pachta-Reyhofen: Wir führen MAN als Premium-Marke Ende 2010 in Brasilien ein. Damit decken wir die Leistungsklasse über 370 PS ab. Die Fahrzeuge werden vor Ort aus Bausätzen montiert. Wir peilen eine technische Kapazität von 5 000 Stück pro Jahr an.