MAN greift Daimler an
Das ungleiche Elefantenrennen

MAN will Daimler bis 2020 als Nummer eins der Nutzfahrzeughersteller ablösen. Doch bisher fehlt der VW-Tochter dafür die internationale Präsenz. Daimler kann der Drohung daher gelassen gegenüber stehen.
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Hannover „Wir wollen Daimler herausfordern“, sagt MAN-Lkw-Chef Anders Nielsen im Interview mit dem Handelsblatt. Die Kampfansage kurz vor Beginn der größten deutschen Nutzfahrzeugmesse IAA in Hannover kommt nicht von ungefähr: Mit der Rückendeckung des Mutterkonzerns aus Wolfsburg will MAN den Druck auf die Konkurrenz erhöhen. MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen hatte bereits zu Beginn des Jahres die Maßgabe ausgegeben, bis 2020 zur Nummer eins im Geschäftsfeld Nutzfahrzeuge aufsteigen zu wollen.

Im Interview mit Handelsblatt Online gibt sich Daimlers Lkw-Europa-Chef Hubertus Troska angesichts der neuen Konkurrenz aus Wolfsburg gelassen. „Als Marktführer bin ich eigentlich ständig in der Situation, dass irgendeiner angreift“, sagt er. Er sehe nicht, dass sich die Spielregeln dadurch kurzfristig ändern würden. Selbst in der Daimler-Transporter-Sparte, die unter anderem den Crafter im Auftrag von VW fertigt, herrscht angesichts des neuen Selbstbewusstseins in Wolfsburg keine Panikstimmung. Notfalls käme man auch ohne Volkswagen zurecht, sagt Daimler-Transporter-Chef Volker Mornhinweg.

Die öffentliche Gelassenheit können sich die Daimler-Chefs derzeit noch leisten. Während das operative Ergebnis von MAN im ersten Halbjahr um 38 Prozent eingebrochen ist, konnte Daimler seinen Umsatz und Gewinn steigern. In den ersten sechs Monaten setzt Daimler weltweit rund 270.000 Lkws ab – etwa 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Eine Aufholjagd sieht anders aus. Zwar ist auch Daimler nicht immun gegen die Krise und erwartet für das laufende Jahr sinkende Absätze in Europa. Doch weil die Stuttgarter global deutlich stärker aufgestellt sind, können sie die Nachfrageschwäche auf dem Heimatmarkt besser abfedern.


Um tatsächlich gegen Daimler bestehen zu können, wollen die Wolfsburger darum ihre Präsenz auf den Weltmärkten ausbauen, ihre Produktpalette erweitern und eine schlagkräftige Allianz aus MAN, dem schwedischen Lkw-Bauer Scania und seiner Nutzfahrzeugsparte schmieden. Doch in Asien kommt das Geschäft nicht in die Gänge und auch im lukrativen US-Markt sind die Marken bisher kaum präsent.

Die hohe Abhängigkeit von Europa hat bereits erste Auswirkungen auf die Produktion. In diesem Jahr soll die Zahl der verkauften Nutzfahrzeuge um drei Prozent auf 12,7 Millionen schrumpfen, prognostiziert das Center Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg-Essen. Das wirkt noch weit entfernt vom Einbruch des Krisenjahres 2009. Doch insbesondere in West-Europa soll der Rückgang besonders drastisch ausfallen. „Wir werden unsere Produktion der Nachfrage anpassen“, sagt MAN-Lkw-Chef Anders Nielsen dem Handelsblatt.

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