Industrie
MAN kommt bei MTU Friedrichshafen nicht zum Zug

Der Nutzfahrzeug- und Maschinenbauer MAN-Konzern ist aus dem milliardenschweren Übernahmekampf um die Daimler-Chrysler-Tochter MTU Friedrichshafen ausgeschieden. „Andere Interessenten haben ein besseres Angebot gemacht, sowohl beim Preis als auch beim Konzept“.

dpa STUTTGART/MüNCHEN. Der Nutzfahrzeug- und Maschinenbauer MAN-Konzern ist aus dem milliardenschweren Übernahmekampf um die Daimler-Chrysler-Tochter MTU Friedrichshafen ausgeschieden. „Andere Interessenten haben ein besseres Angebot gemacht, sowohl beim Preis als auch beim Konzept“.

Das sagte ein Daimler-Chrysler-Sprecher der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX. Daimler-Chrysler will den Dieselmotorenbauer MTU Friedrichshafen noch in diesem Jahr für mehr als eine Milliarde Euro verkaufen.

Der Gewinn soll größtenteils zur Finanzierung des geplanten Abbaus von 8 500 Stellen bei der Mercedes Car Group verwendet werden. Dies wird den Konzern bis zu 950 Mill. Euro kosten. Der profitable Diesel- und Turbinenbauer MTU Friedrichshafen passt nach früheren Aussagen des Daimler-Chrysler-Konzerns nicht mehr zum eigenen Kerngeschäft. Zum Erhalt seiner führenden Weltmarktposition hätte MTU Friedrichshafen zudem Investitionen in Höhe von etwa 500 Mill. Euro benötigt.

Zum weiteren Stand des MTU-Verkaufsprozesses wollte sich der Daimler-Chrysler-Sprecher nicht äußern. Bankenkreisen zufolge haben nur noch drei Bieter Chancen, darunter die Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und EQT, die zum schwedischen Wallenberg- Imperium gehört. Nicht mehr dabei ist dagegen Carlyle. Die drei Interessenten, die alle MAN überboten haben, dürfen nun in die Bücher schauen.

Wie dpa-AFX weiter erfuhr, fürchtete der Stuttgarter Autokonzern, dass MAN nach einer Übernahme von MTU Friedrichshafen als Konkurrent für das eigene Industrie-Motorengeschäft zu stark geworden wäre. Zudem hieß es in Bankenkreisen, MAN hätte voraussichtlich Arbeitsplätze im Angestelltenbereich von MTU abgebaut und aus Kostengründen Verwaltungsaufgaben vom MTU-Sitz in Friedrichshafen nach München abgezogen. Daimler-Chrysler hatte jedoch Betriebsrat und Familiengesellschaftern mehrfach signalisiert, bei einem Verkauf einen Stellenabbau verhindern zu wollen.

Daimler-Chrysler hatte erst im September seinen MTU-Anteil von 88 auf 100 Prozent aufstocken können. Nach monatelangem Streit verkauften die Familiengesellschafter Schmid-Maybach und Brandenstein-Zeppelin ihre Aktienpakete an den Stuttgarter Autobauer. Diese hatten lange die Pläne von Daimler-Chrysler blockiert und sich exklusiv an den Finanzinvestor Carlyle gebunden. Die Familien sollen von Daimler-Chrysler für ihren knapp zwölfprozentigen Anteil um die 130 Mill. Euro bekommen haben.

Der MTU-Betriebsrat hatte auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eingeschaltet, um die Zukunft des Konzerns zu sichern. MTU Friedrichshafen baut auch Motoren für die Marine und den Leopard- Panzer. Bei einem Verkauf an einen ausländischen Investor hätte die Bundesregierung ein Mitspracherecht, weil es sich um rüstungspolitische Kernkompetenzen handelt. Das Unternehmen produziert mit rund 6 700 Beschäftigten, davon etwa 5 000 am Stammsitz Friedrichshafen, Motoren für Schiffe, Bahnen, Militär- und Baufahrzeuge sowie Energieversorgungsanlagen. 2004 betrug der Umsatz 1,35 Mrd. Euro.

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