MAN plant Scania-Übernahme
Eine logische Lastwagen-Ehe

Die neuen Übernahmepläne von MAN tragen die Handschrift vom Chef: Der schwedische Lkw-Hersteller Scania, an dem MAN-Chef Hakan Samuelsson nun großes Interesse zeigt, war 23 Jahre lang dessen Arbeitgeber. Über gemeinsame Zukunft von MAN und Scania existieren schon ziemlich konkrete Vorstellungen.

HB MÜNCHEN. MAN bestätigte am Mittwoch nach heftigen Spekulationen über die mögliche Lastwagen-Ehe das Interesse an einer Verschmelzung mit Scania. Nähere Angaben wurden zunächst nicht gemacht. Es gebe eine überzeugende industrielle Logik für diese Kombination, erklärte die MAN AG lediglich. Durch eine Verschmelzung würden beide Unternehmen zur Nummer eins auf dem europäischen Markt für Nutzfahrzeuge werden, ein Nutzfahrzeug-Riese mit jährlich mehr als 120 000 verkauften Lastern und mehr als 13 000 Bussen. Gemeinsam haben die Unternehmen rund 80 000 Beschäftigte. Mit dem offiziellen Kaufangebot wird in der kommenden Woche gerechnet.

Zum Preis äußerte sich MAN nicht. Gemessen am Börsenwert von Scania erwarten Branchenkreise einen Wert von rund zehn Mrd. Euro. Die Übernahme soll im Einvernehmen mit dem Scania-Management erfolgen. MAN-Chef Hakan Samuelsson habe mehrfach betont, dass eine feindliche Übernahme nicht in Betracht komme, sagte Harald Flassbeck, der für die IG Metall im Aufsichtsrat der MAN Nutzfahrzeuge AG sitzt. Grundsätzlich mache der Schritt Sinn. „Man muss in dieser Branche eine bestimmte Größe haben.“ Die Scania-Anteilseigner VW und die Wallenberg-Familie haben dem Deal offenbar zugestimmt.

Die Markennamen MAN und Scania sollen nach Informationen aus Branchenkreisen auch nach der Verschmelzung beider Konzerne erhalten bleiben. Auch die Firmenzentralen sollen nicht verändert werden. Ein Stellenabbau sei kein Thema, hieß es. „Bei dem Zusammenschluss geht es um Wachstum.“

Samuelsson hatte selbst 23 Jahre lang für Scania gearbeitet, bevor er im Jahr 2000 zum MAN-Konzern kam und dort zunächst die Nutzfahrzeugsparte leitete. Nach seinem Wechsel an die Konzernspitze trimmte er alle MAN-Sparten auf bessere Renditen und verordnete der Belegschaft im Münchner Werk dazu auch längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich. Im Gegenzug sicherte MAN zu, bis 2012 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Bereits im Frühjahr hatte sich MAN auf neues Ziel konzentriert: auf das hochprofitable Geschäft mit Lastwagen, Bussen und Motoren. Samuelsson erwog dabei den Kauf des Dieselmotorenherstellers MTU von Daimler-Chrysler. Der schwäbische Autokonzern gab beim MTU-Verkauf jedoch dem schwedischen Finanzinvestor EQT den Vorzug. Hinter EQT steht wie auch bei dem zweitgrößten Scania-Aktionär, Investor AB, die Familie Wallenberg.

An der Börse sorgten die Übernahmepläne für Aufregung. Die Aktie des schwedischen Nutzfahrzeugeherstellers sprang schon vor der offiziellen Bestätigung durch MAN in Stockholm um zehn Prozent auf 424,50 Kronen (46 Euro). Der Handel war am Vortag wegen der Gerüchte um eine mögliche Übernahme zeitweise ausgesetzt worden.

In der Nutzfahrzeugbranche gilt Scania wegen einer hohen Produktivität seit langem als attraktiv. Im ersten Halbjahr stieg der Nettogewinn um 22 Prozent auf 2,8 Mrd. Kronen (303 Mio Euro), der Umsatz lag bei 35 Mrd. Kronen (plus 19 Prozent). Auch MAN gab in dieser Zeit ordentlich Gas. Die Erlöse legten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zehn Prozent auf knapp 6,8 Mrd. Euro zu, den Überschuss konnte die Gruppe mit 352 Mill. Euro mehr als verdoppeln.

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