MAN-Schmiergeldprozess
Vorwürfe gegen Ex-Chef Samuelsson

Im Prozess um Schmiergeldzahlungen durch MAN hat ein Zeuge den früheren Konzernchef Samuelsson schwer belastet. Er soll im Mai 2006 über die Bestechungspraxis informiert worden sein.
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MünchenIm Prozess um den MAN-Schmiergeldkandal hat ein Zeuge die einstige Konzernspitze belastet. Der damalige Vorstandschef Hakan Samuelsson habe schon 2006 - Jahre vor dem Auffliegen des Skandals - von der Bestechungspraxis gewusst, sagte der frühere Leiter der MAN-Gesamtrevision am Mittwoch vor dem Landgericht München überraschend aus.

Er habe Samuelsson im Mai 2006 darüber informiert, dass seine Abteilung auf dubiose Provisionszahlungen in Slowenien gestoßen sei. "Das Wort 'Schmiergeldzahlungen' habe ich ihm gegenüber erwähnt." Gegen Samuelsson wird nicht ermittelt. Sein Anwalt wollte sich zu der Zeugenaussage nicht äußern. Von der Münchner Staatsanwaltschaft war keine Stellungnahme zu bekommen.

Vor dem Münchner Landgericht muss sich derzeit der einstige Chef der MAN-Nutzfahrzeugsparte, Anton Weinmann, verantworten. Er ist der ranghöchste MAN-Manager, dem der Prozess gemacht wird. Dem 56-Jährigen wird Bestechung im geschäftlichen Verkehr vorgeworfen. 2009 war aufgeflogen, dass der Dax-Konzern jahrelang den Verkauf von Lastwagen, Bussen und Maschinen mit Bestechungsgeldern angekurbelt hatte. Laut Anklage wusste der einstige Nutzfahrzeugchef von dem Schmiergeldsystem und duldete es, statt es zu unterbinden.

Weinmann bestreitet die Vorwürfe. Einen Deal mit dem Gericht, wie dies mehrere ehemalige MAN-Manager vor ihm ausgehandelt hatten, lehnte er bislang ab, weil er für sich reklamiert, unschuldig zu sein. Jetzt signalisierte sein Verteidiger Gesprächsbereitschaft. Eine Besprechung aller Parteien soll vor dem nächsten Termin am 29. August stattfinden.

Bei zahlreichen Zeugenvernehmungen geht es im Kern um die Frage, ob Weinmann von einem internen Vermerk der Prüfer über Schmiergeldzahlungen in Slowenien gewusst hat oder nicht. Der ehemalige Leiter der Gesamtrevision sagte aus, er habe zwar regelmäßig mit Weinmann telefoniert, über die Vorfälle in Slowenien habe er jedoch Samuelsson als seinen obersten Vorgesetzten informiert.

In einer früheren Vernehmung hatte der Zeuge dies nicht angegeben; seine Aussage sorgte deshalb für Verwunderung bei Staatsanwaltschaft und Gericht. Die Justiz muss jetzt prüfen, ob mögliche Verstöße verjährt sind.

Der frühere Leiter der Konzernrevision sagte im Zeugenstand, er sei im Frühjahr 2006 in die Konzernzentrale gefahren, um dem Konzernchef und dem Finanzvorstand über die Schmiergeldzahlungen in Slowenien zu berichten. Im persönlichen Gespräch habe man sich bei MAN nicht an die Sprachregelungen gehalten, die sich der Konzern für Schriftstücke auferlegt habe. "Da haben wir Tacheles gesprochen." Samuelsson habe nach seinen Ausführungen "nicht so viel gesagt". Der Manager sei erschüttert gewesen. "Er hat gesagt, er würde das unterbinden."

Was dieser dann genau unternommen habe, wusste der Zeuge nicht. Er sei "mit dem Gefühl rausgegangen, dass er sich darum kümmert". Ob Samuelsson Weinmann von dem Gespräch über die Schmiergeldzahlungen in Slowenien informiert habe, konnte der ehemalige Leiter der Gesamtrevision nicht sagen. Weinmanns Anwalt wollte die Zeugenaussage nicht bewerten. Er bat die Kammer um eine Zwischenbesprechung.

Der Vorsitzende Richter Joachim Eckert hatte die Möglichkeit einer Verständigung mehrfach angeboten. Nach entsprechenden Deals waren vom Münchner Landgericht in den vergangenen Jahren bereits mehrere Ex-MAN-Manager zu Bewährungsstrafen wegen Bestechung verurteilt worden, darunter die früheren Chefs der Turbomaschinensparte und der einstigen Konzerntochter Ferrostaal und der damalige Vertriebschef der Nutzfahrzeugsparte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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