MAN und Carlyle sind aus dem Rennen
KKR ist neuer Favorit im MTU-Poker

Im Milliardenpoker um den Verkauf der Daimler-Tochtergesellschaft MTU Friedrichshafen liefern sich nach dem Aus für den Mischkonzern MAN nach Informationen aus Finanzkreisen nun die Investmentgesellschaften Kohlberg, Kravis and Roberts (KKR) und die schwedische Wallenberg-Tochter EQT ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

hz FRANKFURT/M. Vor allem KKR gilt als aussichtsreicher Bewerber. Der Finanzinvestor hatte Ende 2003 von Daimler-Chrysler bereits den in München ansässigen Triebwerkhersteller MTU Aero Engines für 1,5 Mrd. Euro gekauft. Dagegen ist der lange favorisierte Münchener Mischkonzern MAN von Daimler bereits aus dem Bieterwettbewerb geworfen worden.

„Andere Interessenten haben ein besseres Angebot gemacht“, sagte ein Daimler-Sprecher zur Begründung. MAN bestätigte, dass die Münchener aus dem Rennen seien. „Wir haben stets gesagt, dass wir nicht bereit sind, einen überhöhten oder strategischen Preis zu bezahlen“, sagte ein MAN-Sprecher. Auch der Finanzinvestor Carlyle ist laut Finanzkreisen bereits ausgeschieden. Daimler werde nach der Durchsicht der ersten Angebote nunmehr lediglich mit drei Bietern weiter verhandeln, heißt es. Damit wird der Dieselmotorenhersteller vom Bodensee voraussichtlich an einen Finanzinvestor fallen, denn MAN galt als der einzige industrielle Bieter.

Die Verkaufsverhandlungen, die Daimler möglichst bis Ende 2005 abschließen will, sind in eine entscheidende Phase getreten. Daimler zeigte bei den von der Deutschen Bank begleiteten Gesprächen MAN die rote Karte, weil deren Preisvorstellungen sowie deren Konzeption offenbar nicht den Wünschen der Stuttgarter entsprachen. Bereits in den vergangenen Wochen hatte es bei Daimler geheißen, dass der Konzern bei einem MTU-Verkauf an MAN nunmehr doch für den Standort Mannheim und die Zentralverwaltung drastische Schnitte bei dem profitablen Dieselmotorenhersteller befürchte. Zudem soll das Angebot von 1,1 Mrd. Euro nicht ausgereicht haben.

Da die Gespräche nur noch mit drei Bietern fortgesetzt werden, gilt es als gewiss, dass Daimler seinen Plan realisieren kann, den Verkauf noch dieses Jahr zum Abschluss zu bringen. Die Stuttgarter wollen mit dem Buchgewinn aus der Veräußerung einen Großteil der noch dieses Jahr anfallenden Belastungen aus dem geplanten Abbau von 8500 Stellen bei Mercedes in Gesamthöhe von 950 Mill. Euro kompensieren.

MAN war erst vor wenigen Wochen wieder an den Verhandlungstisch zurückgekehrt, nachdem sich der Mischkonzern zwischenzeitlich wegen Streitigkeiten unter den Gesellschaftern aus dem Bieterwettbewerb zurückgezogen hatte. Doch Daimler legte im September durch eine Komplettübernahme aller Anteile an MTU den Streit mit den Minderheitsgesellschaftern bei und machte so den Weg für ein neues Bieterverfahren frei. MAN galt lange als Favorit für eine Übernahme, da die Stuttgarter die profitable Dieselmotorentochter nur an einen langfristig orientierten Investor verkaufen wollen. Doch Daimler-Vorstand Andreas Renschler stellte erst vor wenigen Tagen klar, dass es keine Präferenz für einen Käufer aus der Branche gebe. Es käme auf die Kombination aus Preis und Konzept an.

Daimler peilt einen Verkaufspreis für MTU Friedrichshafen von mehr als einer Milliarde Euro an. MTU produziert mit 6700 Beschäftigten, davon etwa 5000 am Stammsitz Friedrichshafen, Motoren für Schiffe, Bahnen, Militär- und Baufahrzeuge sowie Energieversorgungsanlagen. 2004 betrug der Umsatz 1,35 Mrd. Euro. MTU baut auch Antriebe für die deutsche Marine und den Leopard-Panzer. Bei einem Verkauf an einen ausländischen Investor hätte die Bundesregierung ein Mitspracherecht, weil es sich um rüstungspolitische Kernkompetenzen handelt.

Eine scheinbar unendliche Geschichte

Hickhack:

Um den Verkauf des Dieselmotorenherstellers MTU hatte es im Sommer ein monatelanges Hickhack unter den Gesellschaftern gegeben. Die Minderheitsaktionäre verfolgten andere Ziele als Großaktionär Daimler und hatten einen Exklusivvertrag mit Carlyle abschlossen.

Entschluss: Erst durch das Herauskaufen der Gründerfamilien konnte Daimler im September den zwischenzeitig auf Eis gelegten Verkaufsprozess wieder in Gang bringen und ein neues Auktionsverfahren starten.

MAN: Der einzige industrielle Interessent – MAN – ist ausgeschieden. Nun kommen wohl doch wieder Finanzinvestoren beim Traditionsunternehmen vom Bodensee zum Zuge.

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