MAN und Mercedes
Deutsche Lkw-Bauer zieht es nach Russland

Russland wird für Lkw-Bauer zum Schlaraffenland: Laut Experten kommt es dort in Zukunft zu einer verstärkten Nachfrage nach Schwertransportern. Auch deutsche Hersteller streben in den Osten und bauen eigene Fabriken.
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MoskauDer MAN-Chef hat es sich leicht gemacht: GeorgPachta-Reyhofen unterschrieb am Donnerstag den Kaufvertrag für eine fertig erschlossene Fabrik in Sankt Petersburg, wo der Münchener Konzern ab nächstes Jahr bis zu 6000 Lkws herstellen will. "Ein Neubau auf der grünen Wiese wäre ungleich komplizierter und teurer geworden", sagt Lars Himmer, Russland-Chef von MAN. Nur 25 Millionen steckt der Lkw-Hersteller in sein erstes russisches Werk. Das ist gut investiertes Geld, denn der Markt für Lkws wird laut Branchenkennern in den nächsten Jahren stark wachsen. Derzeit werden pro Jahr 80.000 Lkws, die 16 Tonnen oder mehr wiegen, verkauft. 2020 sollen es laut Experten bereits 180.000 sein.

Die Zeit drängt, denn der Wettbewerb wird härter. Abgesehen von dem niederländischen Lkw-Bauer DAF leisten sich die führenden sieben Lastfahrzeughersteller Europas längst alle eigene Fabriken in Russland.

MAN behauptete im vorigen Jahr zwar die Spitzenposition unter den ausländischen Lkw-Herstellern in Russland - mehr als 3000 Lastwagen mit einer Nutzlast von 16 Tonnen aufwärts lieferten die Deutschen aus dem Werk im polnischen Krakau gen Osten. Wettbewerber Scania hat die Münchener im ersten Quartal des laufenden Jahres aber nach Absatz überholt - vor allem weil die Schweden schneller vor Ort waren.

Zwang zur lokalen Wertschöpfung

Eine Senkung der Herstellungskosten durch niedrigere Zölle ist nicht das Hauptmotiv der Lokalisierung - zumindest nicht bei MAN, sagt Russland-Chef Himmer: "Zölle können sich von heute auf morgen ändern", die Marktpräsenz sei wichtiger. Die Münchener hoffen auf eine symbolische Wirkung ihrer Ansiedlung in Petersburg: "Unter unseren Kunden sind viele Staatsunternehmen", sagt Himmer, "diese Auftraggeber erwarten, dass wir in Russland lokal fertigen." Mehr noch: Die Auftraggeber erwarten nicht nur eine lokale Fertigung, sondern schreiben sie in den Ausschreibungen knallhart vor. Auf diese Weise zwingt die russische Regierung internationale Konzerne zur Wertschöpfung vor Ort.

Deutlicher als beim Schwerfahrzeugbau ist das im Pkw-Sektor zu erkennen: Über die Dekrete 166 und 566 legt Russlands Regierung fest, dass Hersteller nach einer Übergangsfrist mindestens 300.000 Wagen lokal fertigen und dabei 60 Prozent der Zuliefererteile aus inländischen Werken beziehen müssen. Deswegen denken jetzt auch die Zulieferer über eigene Russland-Fabriken nach. Wer die Ziele verfehlt, muss künftig hohe Zölle auf Importe zahlen.

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