MAN und Scania
Daimler fürchtet VW-Lkw-Allianz nicht

Volkswagen feilt am Zusammenschluss ihrer Lkw-Tochter Scania mit MAN. Daimler sieht der Allianz gelassen entgegen - und wünscht dem Konkurrenten viel Glück bei der Zusammenführung.
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Mannheim/Stuttgart

Dem weltgrößten Nutzfahrzeughersteller Daimler ist angesichts der entstehenden Lkw-Allianz unter dem Dach von Volkswagen nicht bange. "Kurzfristig sehe ich da gar keinen Wettbewerber", sagte Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler der Nachrichtenagentur dpa in Mannheim. MAN und Scania seien schon jetzt Konkurrenten der Stuttgarter. "Das sind unsere alten Wettbewerber, es kommt ja kein Neuer hinzu." Die Unternehmen müssten erst einmal zusammengeführt werden. "Das ist nicht immer so einfach wie es auf dem Papier steht." "Wir werden sehen, wie MAN und Scania ihre Synergien später umsetzen können. Synergien zu heben in unserem Geschäft braucht Zeit", sagte Renschler. "Da kann ich nur viel Glück wünschen und gucken, dass sie das auch hinkriegen." VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch will seit langem die VW-Tochter Scania enger mit MAN zusammenbinden. Europas größter Autobauer hatte zuletzt seinen Anteil an MAN auf über 30 Prozent der Aktien erhöht. Langfristig soll unter dem Dach von VW ein integrierter Nutzfahrzeugkonzern entstehen.

Aber auch Daimler werde sich weiterentwickeln, sagte Renschler. Großes Potenzial sieht er in der Übernahme des Motorenbauers Tognum gemeinsam mit Rolls-Royce. Daimler habe schon zuvor viel mit Tognum zusammengearbeitet. "Aber wir haben noch viel mehr vor mit Tognum. Im Bereich der stationären Energieversorgung sehen wir große Wachstumsmöglichkeiten", sagte der Manager. "Und in der Kombination mit Rolls-Royce, die bei Gasmotoren sehr stark sind, gibt es viele Möglichkeiten." Daimler und Rolls-Royce hatten in der vergangenen Woche den Tognum-Aktionären ein auf 26 Euro je Aktie verbessertes Übernahmeangebot präsentiert, nachdem sie mit der Offerte von 24 Euro auf Granit gebissen hatten. Damit bewerten sie den Motorenbauer mit 3,4 statt zuvor 3,2 Milliarden Euro. Der Nachschlag schmerzt Daimler aber offensichtlich nicht allzu sehr: "Wenn sie sich die Gesamtsumme anschauen, hält sich der Aufschlag natürlich in Grenzen", sagte Renschler. "Wir bewegen uns in unserem vorgegebenen Rahmen." Im wichtigen Wachstumsmarkt China warten die Stuttgarter derweil noch immer auf grünes Licht für ihr Gemeinschaftsunternehmen mit dem Lastwagenbauer Foton. "Wir gehen davon aus, dass wir die Lizenz im Laufe des Jahres bekommen", sagte Renschler. "Dann können wir sofort das Gemeinschaftsunternehmen gründen." Foton werde sein Geschäft mit mittleren und schweren Lastwagen in das Joint-Venture übertragen.

Nach einem starken ersten Quartal ist die Daimler- Nutzfahrzeugsparte gut ins zweite Vierteljahr gestartet. "Der Absatz hat zum Start ins zweite Quartal im Vergleich zum Vorjahr zugelegt", sagte Renschler. "Die Märkte entwickeln sich besser als im letzten Jahr, es geht überall aufwärts." Im laufenden Jahr sollen bei dem Nutzfahrzeughersteller weltweit knapp 2500 neue Jobs entstehen. "An unseren deutschen Standorten werden wir rund 1100 neue Arbeitsplätze schaffen", sagte Renschler.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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