MAN und Scania
Elefanten an der Leine

Volkswagen will aus MAN und Scania den größten Lkw-Bauer der Welt formen. Doch das gestaltet sich schwieriger als erwartet. Nun könnten die Wolfsburger einen Schritt weiter gehen. Die Zeit wird knapp.
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DüsseldorfEtwas anderes als die Weltspitze kommt für Ferdinand Piëch nicht in Frage. Doch bisher hinkt Volkswagen dem Weltmarktführer Daimler bei den Nutzfahrzeugen noch hinterher. Bis 2020, so die Zielsetzung des VW-Patriarchen, soll sich das ändern. Bis dahin will Volkswagen auch bei den Lkws zur Nummer Eins werden. Die Aufholjagd ist erklärtes Unternehmensziel, doch sie stockt.

Denn die zwei Lkw-Riesen im VW-Konzern beharken sich weiter: MAN und Scania werden nicht warm miteinander. Die versprochenen Synergieeffekte und gemeinsamen Entwicklungen lassen weiter auf sich warten.

Bei MAN hatte VW darum schon im vergangenen Jahr die Zügel enger gezogen. Mit einem Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag wurde die Unabhängigkeit der Münchener im Juni 2013 nach 255 Jahren beendet. Bei Scania ist die Lage komplizierter: Obwohl Volkswagen und MAN gemeinsam etwa bereits 62,6 Prozent des Kapitals und 89,2 Prozent der Stimmrechte von Scania halten, ist VW weiterhin gezwungen, die anderen Aktionäre bei Geschäften nicht zu benachteiligen. Hohe Ausgaben, um die Kooperation auf eine gemeinsame technische Basis zu stellen, sind kaum möglich.

In einer Pressemitteilung hatten sich die Minderheitsaktionäre, vor allem Pensionskassen und Fonds, darüber beklagt, dass VW den Wert von Scania mindern könnte. Die Doppelrolle als Hauptaktionär berge Interessenskonflikte, heißt es weiter. Aus Reihen der Aktionäre hat Volkswagen mit weiterem Widerstand zu rechnen, sollte man die Kooperation erzwingen.

Zuletzt hatten schwedische Wirtschaftsmedien berichtet, dass VW daher eine Komplettübernahme von Scania anstreben könnte. Es wäre ein teures Unterfangen: Um die Anteile auf 90 Prozent aufzustocken, bräuchte VW weitere 27,4 Prozent der Scania-Anteile, deren Wert auf etwa drei Milliarden Euro geschätzt werden. Danach wäre ein Pflichtangebot an die verbliebenen Anteilseigner möglich. Für die restlichen zehn Prozent wären noch einmal zwei Milliarden Euro fällig. Insgesamt würde die Zähmung der widerspenstigen Aktionäre damit fünf Milliarden Euro kosten. Bis heute soll Volkswagen bereits 15 Milliarden Euro in Anteile von MAN und Scania investiert haben.

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