MAN und Scania
Gelähmte Giganten

VW will auch bei den Lkw an die Weltspitze. Dafür haben die Wolfsburger den ehemaligen Daimler-Manager Renschler abgeworben. Doch eine globale Strategie für die Riesen des Konzerns ist noch nicht sichtbar.
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HannoverDen Vorabend der Nutzfahrzeug-IAA nutzt Volkswagen normalerweise für die ganz große Show. Hier verkündet die Wolfsburger Führung ihre Strategien, hier lässt sich die Prominenz blicken, hier paradieren PS-starke Brummis. Dieses Jahr hält man sich spürbar zurück. Während Konkurrent Daimler wenige Kilometer weiter die Vision vom selbstfahrenden Truck präsentiert, rollt nur ein VW-Transporter über die Bühne der Tui-Arena. VW Nutzfahrzeuge, MAN und Scania haben wenig Neues mitgebracht nach Hannover.

Mit der Verkündung großer Pläne hält man sich dieses Jahr zurück, denn es fehlt der Mann, der sie in die Tat umsetzen soll: Andreas Renschler. Der Manager, der jahrelang die Nutzfahrzeug-Sparte von Weltmarktführer Daimler steuerte, soll im Februar 2016 seinen Dienst antreten. Der angekündigte Wechsel des einst aussichtsreichen Zetsche-Erben schlug Anfang 2014 hohe Wellen. Eine Sperrklausel, auf die Daimler pochte, verhinderte seinen schnellen Amtsantritt bei den Wolfsburgern. Seitdem wirken die schweren Jungs des VW-Konzerns wie gelähmt.

„Am Ende können Sie sagen, die Besten ködern die Besten“, hatte VW-Patriarch Ferdinand Piëch den Wechsel damals launig kommentiert und damit gleich die Marschroute für den Neuen ausgegeben. In Wolfsburg will man sich nicht mit weniger als der Weltspitze zufrieden geben – und Daimler vom Thron der Lkw-Bauer stoßen.

Darum hat Volkswagen in den vergangenen Monaten viel Geld investiert, um Renschler alle Zügel in die Hand zu geben. Mit einem Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag wurde die Unabhängigkeit von MAN im Juni 2013 nach 255 Jahren beendet. Um auch die widerspenstigen Schweden von Scania zu zähmen, hatte VW im Frühjahr auch die restlichen Anteile übernommen und dafür 6,7 Milliarden Euro investiert. Geld, das unter anderem durch eine Kapitalerhöhung besorgt wurde.

Seitdem ist indes wenig Konkretes auf den Weg gebracht worden. Fragt man Manager der Nutzfahrzeugriesen bei VW nach dem neuesten Stand, hört man wenig Konkretes: Natürlich gebe es Gespräche zwischen den Partnern, natürlich komme man voran. Besonders bei einigen Komponenten wolle man Synergien heben, bei Achsen, Getrieben und Motorteilen. 850 Millionen Euro wollen die Partner dadurch in den kommenden zehn Jahren einsparen. Doch mit Einsparungen allein wird man kein Weltmarktführer.

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