MAN, VW und Scania
Europäische Lkw-Allianz rückt näher

Mit dem Abgang von MAN-Chef Håkan Samuelsson ist der Boden für neue Kooperationen im Nutzfahrzeugsektor geebnet. Samuelsson stand einer Fusion im Weg, jetzt sind die Karten neu gemischt. Aber eine schnelle Allianz zwischen MAN, Scania und VW wird dennoch schwierig.
  • 0

MÜNCHEN/HAMBURG/STOCKHOLM. Auch einen Tag nach dem Rücktritt des MAN-Chefs Håkan Samuelsson bleiben alle Seiten wacker bei ihrer Linie: Offizielle Gespräche über die Gründung einer Lkw-Allianz zwischen Scania, MAN und Volkswagen gebe es nicht, hieß es übereinstimmend in München, Wolfsburg und Södertälje, dem Sitz von Scania. Wenn auch sonst wenig Einigkeit in diesem Machtdreieck herrscht: Ins Blatt lassen sich die Firmen nicht schauen, wenn sie miteinander pokern.

Dabei sind die Karten seit Montagabend neu gemischt. Überraschend nahm MAN-Chef Samuelsson seinen Hut. Persönlich und freiwillig habe er sich entschlossen, die politische Verantwortung für den seit Monaten schwelenden Schmiergeldskandal zu übernehmen, heißt es aus Unternehmenkreisen. Mit möglicherweise laufenden Verhandlungen über die Bildung einer Lkw-Allianz mit Scania und VW habe das nichts zu tun gehabt, heißt es bei MAN.

„Es wird in sehr absehbarer Zeit zu Kooperationen kommen“, sagte hingegen ein Beteiligter am Dienstag. VW habe sehr konkrete Pläne, wie eine Zusammenarbeit der de-Facto-Töchter MAN und Scania aussehen könnte: „Volkswagen will das Baukastensystem aus dem Pkw-Bereich in das Lkw-Geschäft übertragen.“ Konkret heißt das: Bestimmte Kompetenzzentren entwickeln große Komponenten für alle drei Lkw-Marken. Denkbar sind gemeinsame Achsen, Getriebe und Motoren. Zudem soll der Einkauf gebündelt und die IT-Systeme vereinheitlicht werden. Die Marken MAN, Scania und Volkswagen Nutzfahrzeuge bleiben getrennt. Ähnlich verfährt Wolfsburg auch mit seinen Automarken VW, Audi, Skoda und Seat.

Zumindest Absichtserklärungen könnten sehr schnell unterschrieben werden, hieß es gestern. Doch genau dann beginnen die Probleme: Wer hat die Hoheit bei Motorenentwicklungen? Wer bestimmt, wie die Baukästen aussehen? Wer bekommt die Gesamtführung? „Diese Fragen sind alle nicht geklärt“, sagte ein Beteiligter.

Extremes Tempo hat für den MAN-Großaktionär VW jedoch keine Priorität, auch eine Gesamtübernahme von MAN ist derzeit kein Thema. In Wolfsburg stehe die Integration von Porsche auf der Agenda, hieß es gestern aus dem Konzern. Dieses Jahr wird der ganz große Wurf im Lkw-Geschäft noch nicht kommen. „Die Logik näherer Zusammenarbeit stimmt auch in ein paar Monaten noch“, sagte ein Beteiligter. In München muss zunächst einmal der neue MAN-Vorstandschef sein neues Büro beziehen. Georg-Pachta-Reyhofen, 54, führt seit Dienstagmorgen den Dax-Konzern. Pachta-Reyhofen soll MAN zunächst kommissarisch leiten, könnte aber den Vorstandsvorsitz auch dauerhaft übernehmen. Die Entscheidung, dem Diplom-Ingenieur das Amt zu geben sei „eine Entwicklung von Stunden gewesen“, hieß es gestern aus dem Aufsichtsrat. Anders als beispielsweise Finanzvorstand Karl-Heinz Hornung oder Nutzfahrzeugchef Anton Weinmann gilt Pachta-Reyhofen als unbelastet in dem seit Monaten laufenden Schmiergeldskandal.

Seite 1:

Europäische Lkw-Allianz rückt näher

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Kommentare zu " MAN, VW und Scania: Europäische Lkw-Allianz rückt näher"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%