Management gerät ins Zwielicht
Auf der Suche nach den Agfa-Millionen

Nachdem der erste Schreck über die unerwartete Insolvenz von Agfa Photo verkraftet ist, beginnt die Suche nach dem oder den Schuldigen für das Desaster.

der/HB DÜSSELDORF. Nach der Einleitung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens Ende vergangener Woche stand am Montag im Hauptwerk Leverkusen ein Teil der Produktion still. Betriebsratschef Bernhard Dykstra sagte am Montag in Leverkusen, rund 200 der mehr als 800 Mitarbeiter im Werk könnten derzeit nicht mehr arbeiten, da einige Maschinen abgestellt worden seien. Insolvenzverwalter Andreas Ringstmeier will nun schnellstens für Liquidität sorgen, damit die Zulieferer Material freigeben.

Dabei sollte Agfa-Photo eigentlich mehr als genug Geld auf der hohen Kante liegen haben. Als der ehemalige Mutterkonzern Agfa-Gaevert die Fotosparte im November abgestoßen hat, besaß das junge Unternehmen 300 Millionen Euro Eigenkapital plus etliche Millionen Euro an liquiden Mitteln. Das Vermögen ist verschwunden, die traumhafte Eigenkapitalquote von 40 Prozent Vergangenheit.

Der Insolvenzverwalter, gerade mal drei Tage im Amt, sucht fieberhaft nach den Millionen. Dass sie im laufenden Betrieb "verbrannt" worden sind, ist möglich, aber unwahrscheinlich. Im dritten Quartal 2004 hatte die Sparte "Consumer Imaging", der Vorläufer von Agfa-Photo innerhalb des Agfa-Gaevert-Konzerns, ein Minus von 20 Millionen Euro eingefahren. Das sind die letzten bekannt gegeben Zahlen vor dem Verkauf. Wie nun die neuen Eigentümer seit November ein zigfaches dessen an Minus gemacht haben können, wird der Insolvenzverwalter klären müssen.

Angesichts des schnellen Zusammenbruchs und des verschwundenen Geldes sind bereits die ersten Anschuldigungen gegen die Eigentümer von Agfa-Photo öffentlich geworden. Die Tageszeitung "Die Welt" verwies in ihrer Montagsausgabe darauf, dass Hartmut Emans, geschäftsführender Gesellschafter der Nanno Beteiligungsholding, die mittelbar 55 Prozent an Agfa-Photo hält, Mitte der Neunziger Jahre ins Zwielicht geraten sei. Der Vorwurf: Er habe Unternehmen von der Treuhand erworben, sich persönlich an ihnen bereichert und sie danach zurückgegeben. Ein Verfahren deswegen habe es aber nicht gegeben.

Wie groß der Liquiditätsengpass bei Agfa-Photo ist, darüber herrscht auch bei den Arbeitnehmervertretern Unklarheit - wie sie überhaupt den schleppenden Informationsfluss der Geschäftsführung bemängeln. Frank Löllgen von der IG Bergbau, Chemie, Energie kritisierte, dass bis heute keine Eröffnungsbilanz für Agfa-Photo vorliege.

Klarheit über den Verbleib der Millionen und die Chancen auf Rettung für Agfa - ob als Ganzes oder in Teilen - werden erst die nächsten Tage bringen. Am Dienstag findet eine Betriebsversammlung statt; am Mittwoch soll der Aufsichtsrat zusammentreten. Als erstes muss Insolvenzverwalters Ringstmeier nun dafür sorgen, dass die Produktion weitergeht und die Mitarbeiter ihre Gehälter bekommen.

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