Management unter Kritik
Großes Aufräumen bei Porsche

Der große Sturm legt sich - kleine Orkane folgen. Nachdem nun klar ist, dass Volkswagen das Sagen beim Sportwagenhersteller Porsche hat, fängt das Aufräumen an. In Form von neuen Spekulationen und Kritik. Porsche hat angeblich nicht zehn Milliarden Euro Schulden, sondern 14 Milliarden. Und der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger holt aus zur Kritik am Porsche-Management.

HB HAMBURG/BERLIN. Oettinger hat dem Porsche-Management entscheidende Fehler in der verlorenen Übernahmeschlacht mit VW vorgeworfen. Die Führung des Sportwagenherstellers habe den Eindruck erweckt, bei VW in Wolfsburg bliebe "kein Stein auf dem anderen", sollte die Übernahme aus Stuttgart gelingen, sagte Oettinger dem "Spiegel" laut Vorabmeldung. "Die Art und Weise, wie Porsche in Wolfsburg einmarschiert ist, fanden sicherlich nicht alle gut", sagte der CDU-Politiker und fügte hinzu: "So was produziert natürlich Abwehrreaktionen. Das ist völlig menschlich."

Im Kampf gegen das VW-Gesetz, an dem die Übernahme von VW durch Porsche unter anderem scheiterte, will sich Oettinger noch nicht geschlagen geben. "Es ist ein grober Verstoß gegen die Prinzipien der Marktwirtschaft", sagte er mit Blick auf die Regelung, die dem Land Niedersachsen Einfluss auf VW sichert. In dieser Sache sei "das letzte Wort noch nicht gesprochen".

Darüber hinaus warnte Oettinger davor, den Mythos Porsche zu zerstören: "Es würde einer gigantischen Vernichtung von Vermögen und Prestige gleichkommen, wenn Porsche in der Produktpalette von VW unterginge."

Unterdessen blühen die Spekulationen um die finanzielle Lage des Porsche-Konzerns. Die ist nach Medienberichten dramatischer als bisher bekannt. Porsche sprach zuletzt von einer Verschuldung in Höhe von neun bis zehn Milliarden Euro. Doch bei der Marathonsitzung in der Nacht zum Donnerstag kamen laut "Focus" und "Spiegel" andere Zahlen auf den Tisch: Demnach haben die Stuttgarter einen Schuldenberg von rund 14 Milliarden Euro angehäuft, vor allem durch den Kauf von VW-Aktien auf Pump sowie den Rückgang im Autogeschäft.

Der „Spiegel“ berichtet, dass der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, Porsche-Miteigentümer Wolfgang Porsche höchstpersönlich deutlich gemacht habe, wie ernst die Lage und wie dringend nötig eine Kapitalerhöhung sei. Aus VW-Kreisen verlautete unlängst ebenfalls, die Zahl von 14 Milliarden Euro habe in den Verhandlungen im Vorfeld der Porsche-Aufsichtsratssitzung eine Rolle gespielt. Porsche-Sprecher Anton Hunger sagte zu den genannten 14 Milliarden Euro am Samstag der Agentur Reuters: „Ich kann diese Zahl nicht bestätigen.“ Nach seinen Worten liegt die Netto-Verschuldung von Porsche insgesamt bei rund zehn Milliarden Euro.

Sitzungsteilnehmer berichteten hingegen laut "Focus", dass Porsche in etwa zwei Wochen zahlungsunfähig gewesen wäre, wenn es nicht zu einer Einigung mit VW gekommen wäre. In den nächsten Tagen wollen die VW-Experten laut "Focus" anfangen, alle Bilanzen und Berichte von Porsche sorgfältig zu prüfen. Erst danach entscheidet sich, wie hoch der Kaufpreis sein wird. VW will spätestens bis Jahresende 49,9 Prozent der Porsche AG übernehmen, den Rest im nächsten Jahr.

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