Manager ermordet
Tödliche Geschäfte an der Wolga

Der Reigen von Auftragsmorden in Russland geht weiter: In der Großstadt Samara haben Unbekannte den Manager eines Tochterunternehmens des russischen Automobilherstellers Avtovaz mit mehreren Schüssen getötet. Der Geschäftsmann arbeitete in einer Branche, die in Russland als Hort der organisierten Kriminalität gilt.

MOSKAU. Die Mörder lauerten dem Geschäftsmann in der Nähe seines Büros auf. Das Opfer Alexander Samojlenko starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Die Umstände der Tat deuteten auf einen Auftragsmord hin, teilte ein Justizsprecher in Samara mit. Samojlenko hatte erst vor kurzem die Leitung der Avtovaz-Tochter übernommen, in der die Energieaktivitäten des Konzerns zusammengefasst sind. Das Unternehmen gehört mehrheitlich zum staatlichen russischen Rüstungsmulti Rosoboronexport. Der Manager arbeitete ebenfalls für den unabhängigen russischen Gasförderer Itera. Über die Hintergründe der Tat lagen zunächst keine Informationen vor.

Samoljenko steht als letztes Opfer in einer Serie von Auftragsmorden, die in Russland bekannt wurden. Neben der Kreml-kritischen Journalistin Anna Politkowskaja starben in wenigen Monaten drei Bank-Manager. Das prominenteste Opfer neben war der Vizechef der russischen Zentralbank Andrej Koslow. Er war der ranghöchste Beamte, der im postkommunistischen Russland Opfer eines Killers wurde.

Anfang Oktober starb Alexander Plochin, Filialleiter der Vneshtorgbank 24 in Moskau, im Kugelhagel. Vor wenigen Wochen ermordeten Unbekannt den Miteigentümer der Geschäftsbank "Spezsetstrojbank". Seit 1995 fanden mehr als zwei Dutzend Anschläge auf russische Bankiers statt. Der Bankensektor mit seinen rund 1200 Geldinstituten, die oft in Geldwäsche und anderen kriminellen Aktivitäten verstrickt sind, gilt als Magnet für das Organisierte Verbrechen.

Doch auch die Automobilzulieferbranche wird von Beobachtern als ein Hort der organisierten Kriminalität gesehen – ähnlich wie der gesamte Energiesektor. Erst kürzlich hatte Russlands Generalstaatsanwalt Juri Tschiaka beklagt, dass die Öl- und Gasindustrie des Landes von der organisierten Kriminalität „durchdrungen sei“.

Offiziell wurden in Russland im vergangenen Jahr rund 800 Auftragsmorde registriert. Die tatsächliche Anzahl könne aber dreimal so hoch sein, so Schätzungen aus dem Innenministerium. Russland rangiert auf der Mordrangliste weltweit auf Platz zwei hinter Südafrika.

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