Manager kassierte eine Million Schmiergeld
Erste Anklage im BMW-Korruptionsskandal

In der Schmiergeldaffäre in der Autozuliefererbranche hat Staatsanwaltschaft München gegen einen ehemaligen BMW-Manager Anklage erhoben. Gleichzeitig ermittelt die Staatsanwaltschaft in dem Fall gegen zahlreiche weitere Beschuldigte, unter anderem gegen den ehemaligen Chef des französischen Automobilzulieferers Faurecia.

HB MÜNCHEN. Dem seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft sitzenden 55-Jährigen Diplomingenieur wird Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr in einem besonders schweren Fall vorgeworfen, wie die ermittelnde Staatsanwältin Angela Thalheim am Freitag in München erklärte. Der frühere Hauptabteilungsleiter soll den Angaben zufolge zwischen den Jahren 2000 und 2005 von sechs Zulieferern rund eine Million Euro an illegalen Nebeneinkünften eingestrichen haben.

Der passionierte Golfspieler soll sich unter anderem auch mit Fondsanteile an ausländischen Golfplätzen beschenken haben lassen, berichtete die Staatsanwältin. Dem nach Bekanntwerden der Vorwürfe von dem Automobilkonzern gefeuerten Manager drohen bis zu fünf Jahren Gefängnis. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt nach Angaben Thalheims in dem Bestechungsskandal gegen knapp 30 Beschuldigte, darunter drei ehemalige BMW-Mitarbeiter und zahlreiche Beschäftigte der Zulieferbetriebe.

Ende Juli war bekannt geworden, dass neben dem Fall des BMW-Managers auch gegen zahlreiche andere Verdächtige in der Automobil- und Zulieferindustrie wegen Korruptionsvorwürfen ermittelt wird. Die Staatsanwaltschaften Frankfurt am Main und München leiteten dabei auch Verfahren gegen Mitarbeiter von elf Zulieferern, darunter auch gegen den Chef der französischen Firma Faurecia, Pierre Lévi, ein. Nach Rücktrittsforderungen unter anderem von VW-Chef Bernd Pischetsrieder hatte Lévi Anfang August seinen Posten geräumt. Der 51-Jährige hatte zuvor nach Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft eingeräumt, seit 2001 von Schmiergeldzahlungen seiner Mitarbeiter an VW, Audi und BMW gewusst zu haben.

In dem Fall des 55-jährigen aus der Nähe von Landshut kommenden BMW-Managers sind nach Angaben von Staatsanwältin Thalheim acht einzelne Fälle, in denen zum Teil sechsstellige Summen geflossen sein sollen. Ins Rollen seien die Ermittlungen gekommen, nachdem eine der Zulieferfirmen einen Teil der Bestechungsgelder mit Scheinrechnungen an die Ehefrau des BMW-Managers von der Steuer absetzen wollte. Als bei einer anschließenden Durchsuchung bei dem Zulieferer ein Mitarbeiter Beweismaterial habe vernichten wollen, seien die Ermittlungen besonders intensiviert worden.

Die Staatsanwältin bescheinigte jedoch sowohl BMW als auch den anderen beteiligten Unternehmen, sich bei der Aufklärung des Korruptionsskandals „sehr kooperativ“ verhalten zu haben. Der Münchner Autobauer hatte alle bislang in der Affäre bekannten Zulieferer unter Druck gesetzt und als Bedingung für eine künftige Zusammenarbeit die konsequente Aufklärung verlangt.

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