Manager müssen bekannt geben, was sie verdienen
Schweiz verschärft Corporate Governance

Die Schweiz verschärft ihre Regeln zur Corporate Governance: Börsennotierte Unternehmen sollen künftig die Vergütungen für die Mitglieder des Verwaltungsrats und für die Geschäftsleitung offen legen.

BERN. Der ehemaligen Schweizer Chemieunternehmer und derzeitige Justizminister des Landes, Christoph Blocher, hat eine entsprechende Gesetzesvorlage ausgearbeitet, der der Bundesrat in Bern jetzt zugestimmt hat.

Was die Schweizer vorhaben, geht über den international anerkannten Corporate-Governance-Kodex hinaus und wird nach Blochers Einschätzung dazu führen, dass etwa 90 Prozent der börsennotierten Schweizer Firmen ihre Geschäftsberichte überarbeiten müssen: Die Gesetzesvorlage verlangt, dass alle Bezüge der Mitglieder von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung eines Unternehmens offen gelegt werden. Die Vorschrift gilt auch für ehemalige Angehörige des Verwaltungsrats, einem Gremium, das mit dem deutschen Aufsichtsrat vergleichbar ist. Genauso müssen ehemalige Mitglieder der Konzernleitung und Personen, die ihnen nahe stehen, ihre Vergütungen offen legen. Auch Darlehen an leitende Mitarbeiter sollen künftig im Geschäftsbericht

ausgewiesen werden. Damit will Blocher verhindern, dass die Transparenzvorschriften umgangen werden.

Für alle Mitglieder eines Verwaltungsrats gilt im Unterschied zu den Corporate-Governance-Auslegungen anderer Länder, dass sie ihre Bezüge einzeln offenbaren sollen. Das Justizministerium begründet diese Vorschrift damit, dass der Verwaltungsrat schließlich über seine eigene Bezahlung entscheidet, womit Interessenkonflikte programmiert sind. Transparenz wirke da vertrauensbildend und sei im Interesse des Wirtschaftsstandorts, meint Blocher. Da die Mitglieder der Geschäftsleitung eines Unternehmens nicht selbst über ihr Gehalt befinden, verlangen die Schweizer von ihnen keine individuelle Offenlegung der Bezüge. Allerdings soll der Betrag desjenigen ausgewiesen werden, der am meisten verdient – wobei es sich in der Regel um den Konzernchef handeln dürfte.

Blocher reagiert mit der Gesetzesvorlage auf Kritik an hohen Bezügen, die vor allem von Aktionären gekommen war. So musste sich der Verwaltungsratspräsident der Großbank UBS, Marcel Ospel auf der jüngsten Generalversammlung des Konzerns eingehende Fragen zu seiner Zwölf-Millionen-Euro-Vergütung gefallen lassen. Politisch war der Druck, etwas zu tun, also da, wirtschaftlich dagegen bewerten die Schweizer Unternehmen das Gesetz als überflüssig. Thomas Pletscher, Geschäftsleitungsmitglied beim Schweizer Wirtschaftsverband Economiesuisse, hält die Vorlage für einen „nicht notwendigen gesetzgeberischen Eingriff“. Die Verschärfung sei aber nicht so wesentlich, dass sie den Unternehmen sonderlich Mühe bereiten und hohe Kosten verursachen würde.

Blocher will es mit dieser Vorlage allerdings nicht bewenden lassen. Gleichzeitig mit der Vorschrift zu mehr Transparenz bei den Bezügen hat der Bundesrat auf Betreiben des Justizministers die Ansprüche an Wirtschaftsprüfer verschärft. Künftig sollen deren Qualifikation und Unabhängigkeit eingehend kontrolliert werden. Das Justizministerium kündigt darüber hinaus an, in Kürze weitere Corporate-Governance-Regeln in Gesetzesvorlagen zu gießen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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