Manager und Medien
Siemens bringt Deutschland in Verruf

Das Führungschaos bei Siemens hat nicht nur in Deutschland Kopfschütteln ausgelöst. Manager und Medien rund um den Globus sind fassungslos ob der Zustände beim einstigen bundesrepublikanischen Vorzeigeunternehmen. Das Ansehen des ganzen Landes leidet. Eine kleine Weltreise.

ali/mbr/fo/hof/hst/bz BERLIN. Die Nachricht vom Rücktritt Klaus Kleinfelds platzt am Mittwochabend in den G8-Gipfel des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Manager stehen im Atrium des „Hauses der Wirtschaft“ an der Breite Straße in Berlin – und diskutieren nur über ein Thema. „Der Dilettantismus des Siemens-Aufsichtsrats ist erschreckend“, sagt ein Mitglied des BDI-Präsidiums. Auch Vokabeln wie „unglaubliche Dummheit“ und „Klippschulniveau“ fallen, wenn es um Gerhard Cromme geht, den neuen Aufsichtsratsvorsitzenden von Siemens.

SCHANGHAI. In dem feinen Restaurant an der Flaniermeile Bund ist Siemens Top-Thema. „Das von Pierer gehen musste, war in Ordnung“, sagt ein Banker. „Aber Kleinfeld? Das musste wirklich nicht sein.“ Hinterm Fenster lauert die Skyline des Finanzdistrikts. An einem Hochhausturm prangt der Schriftzug, der in China einen so guten Ruf hat – Siemens. Vielleicht haben deswegen Chinas staatliche Medien bislang so wenig über die Krise in München berichtet. Umso erstaunter ist ein deutscher Manager in Peking, wie oft ihn derzeit Chinesen auf das Thema ansprechen. Auch Häme habe er erfahren: „Ihr kritisiert uns immer, aber in Wirklichkeit schmiert ihr selber – so waren oft die Reaktionen.“

PARIS. Telefonat mit einem Telekommanager: „Die Franzosen sehen mit Erstaunen, wie eine deutsche Staatsanwaltschaft einen deutschen Großkonzern ruiniert. Heimlich lachen sich die Brancheninsider kaputt, denn um Aufträge in Asien und Osteuropa zu bekommen, sind die bei Siemens kritisierten Praktika gang und gäbe. Die Chinesen sind besonders fleißig dabei.“

MOSKAU. In Russland bleibt Siemensianern kaum Zeit zum Blick nach München: Die neue Firmenzentrale in Moskau wird immer noch gebaut, obwohl das 23 Etagen hohe Gebäude längst hätte fertig sein sollen. Eine Ex-Russland-Chefin soll per Nacht-und-Nebel-Aktion ausgeflogen worden sein, um dem Staatsanwalt und Korruptionsvorwürfen zu entgehen. Außerdem gibt es Bestechungsvorwürfe gegen die Medizinsparte. München ist weit – und doch so nah.

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