„Manche werden das noch bereuen“
MAN wird zum Gejagten

MAN besteht vor einer Rücknahme seines Übernahmeangebots für den Konkurrenten Scania auf einer Reihe von Bedingungen und will so Volkswagen noch einmal Druck machen. Insgesamt wird der Konzern aber vom Jäger zum Gejagten.

HB MÜNCHEN/STOCKHOLM/WOLFSBURG. „Der Wind hat sich gedreht“, sagte ein Branchenexperte am Dienstag. Vor kurzem sah es noch so aus, als ob MAN mit dem Versuch durchkommen könnte, den Konkurrenten Scania mit seiner Milliardenofferte feindlich zu übernehmen. Inzwischen aber ist der Münchner Lastwagenbauer in die Defensive geraten. Derzeit hat vor allem Volkswagen als Großaktionär im Milliardenpoker die besten Karten in der Hand. Auch bei Scania in Schweden wächst die Zuversicht.

Auf Druck von VW hatte sich MAN am Montag bereit erklärt, das knapp zehn Mrd. Euro schwere Übernahmeangebot für Scania unter Umständen zurückzuziehen. „Die Offerte ist tot“, sagte ein Branchenkenner. Stattdessen beauftragte VW-Chef Bernd Pischetsrieder MAN und Scania, in den nächsten vier Wochen eine einvernehmliche Lösung zu finden. Bei MAN wurde am Dienstag betont, man fühle sich durch Pischetsrieder bestätigt. Schließlich sehe auch VW den Sinn eines Zusammenschlusses. Das Angebot will MAN nur zurücknehmen, wenn anschließend mit dem Ziel eines Zusammenschlusses auf Basis der MAN-Vorstellungen verhandelt wird.

Zu hoch gepokert?

Möglicherweise hat MAN-Chef Hakan Samuelsson aber zu hoch gepokert. Der Übernahmeversuch war nach Einschätzung von Branchenexperten nicht ausreichend mit VW abgestimmt. Die Wolfsburger halten 34 Prozent der Stimmrechte bei Scania. Inzwischen haben sie auch noch 15 Prozent der MAN-Anteile erworben und sprechen so bei beiden Unternehmen ein gewichtiges Wörtchen mit. „Pischetsrieder hält jetzt die Fäden in der Hand“, sagt ein Branchenexperte. Szenarien, VW selbst könnte die Mehrheit an MAN übernehmen und den Konzern dann zerschlagen, gelten aber als wenig realistisch. Pischetsrieder selbst hat bereits abgewunken. Der hohe Kaufpreis spricht zudem ebenso dagegen wie zu erwartende politische Widerstände.

Vielmehr strebt Volkswagen eine Sperrminorität von 25 Prozent in einem neuen Nutzfahrzeugekonzern an. Wie der Zusammenschluss konkret vor sich gehen soll, ist offen, seit MAN mit seiner Offerte feststeckt. „Es ist klar, dass das Hauptinteresse von VW ist, die Synergien zu maximieren, und dass die Form des Deals weniger wichtig ist“, sind die Analysten von UBS überzeugt.

Allianz erscheint wirtschaftlich sinnvoll

Dass eine Allianz von Scania, MAN und Teilen des Nutzfahrzeugegeschäfts von Volkswagen wirtschaftlich sinnvoll sein könnte, glauben alle Beteiligten. Entscheidender ist daher die Frage, wer die Führung übernimmt. Dabei wittern auch die Schweden wieder Morgenluft. Wenn VW an Synergien interessiert sei, müsse man die besten Kompetenzen nutzen, heißt es im Umfeld. Scania erziele deutlich höhere Margen als MAN, habe viel in neue Technologien investiert und nutze geschickt Module für verschiedene Fahrzeuge.

Zwar gilt es noch immer als wahrscheinliche Variante, dass am Ende MAN den Konkrrenten Scania übernimmt - mit einem starken Partner VW im Boot. Dennoch wächst in München die Nervosität. Konzernbetriebsratschef Lothar Pohlmann warnte vor einer Zerschlagung des Konzerns bei der bis zu 50 000 Arbeitsplätze bedroht seien. Auch bei einer erfolgreichen Gegenofferte von Scania für MAN, die nicht völlig ausgeschlossen ist, würden viele Arbeitsplätze in Deutschland auf dem Spiel stehen. „Der eine oder andere bei MAN wird vielleicht das Übernahmeangebot für Scania noch bereuen“, meint ein Branchenexperte.

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