Manfred Schneider
Mächtiger Aufseher mit Abschiedsschmerz

Manfred Schneider hört als Bayer-Aufsichtsratschef auf, bleibt aber bei Linde und RWE auf Posten. Im Interview spricht Deutschlands mächtigster Aufseher über zu hohe Erwartungen an Kontrolleure und über Paul Achleitner.
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LeverkusenHandelsblatt: Herr Schneider, das Bayer-Hochhaus in Leverkusen, Jahrzehnte ein Wahrzeichen des Konzerns, wird abgerissen und Sie verabschieden sich nach 46 Jahren Bayer. Zufall?

Manfred Schneider: Das Hochhaus war in die Jahre gekommen und entsprach einfach nicht mehr den heutigen Anforderungen. Eine ganz nüchterne Entscheidung.

Und Sie selbst sind froh darüber, dass Werner Wenning Ihnen endlich die Last des Chefaufsehers bei Bayer abnimmt?
Ich gebe zu, je näher der Tag kommt, desto schwerer fällt mir der Abschied. Aber wir haben ja gemeinsam auf das Ziel zugesteuert. Wenn die Cooling-off-Periode nicht gekommen wäre, dann hätte der Wechsel schon vor zwei Jahren stattgefunden.

Sie hätten den Job lieber schon vor zwei Jahren abgegeben, als Wennings Vorstandsvertrag endete?

Es ist kein Geheimnis, dass ich kein großer Anhänger der gesetzlichen Zwangspause bin. Mir hat sie allerdings zwei Jahre zusätzlich als Aufsichtsrat dieses Unternehmens beschert (lacht). Insofern muss ich sogar dankbar sein.

Haben Sie sich inzwischen arrangiert mit der gesetzlichen Abkühlphase für Ex-Vorstände?

Nein. Das Know-how von Vorstandsvorsitzenden zwei Jahre brachliegen zu lassen, halte ich nach wie vor für einen gravierenden Fehler.

Es hat keinen Vorteil, wenn ein Manager erst einmal auf Distanz zu seinem eigenen Unternehmen geht?

Doch, das hat es. Aber es kommt auf die Person an. Die Begründung für das Gesetz ist doch Unsinn, ein ehemaliger Vorstand könne an Fehlentscheidungen festhalten, nur weil es seine eigenen waren. Das werden schon die anderen Aufsichtsräte verhindern

Das sagen Sie!

Dafür sitzen zu viele hochqualifizierte Frauen und Männer in den Räten. Ich wäre durchaus bereit, zu akzeptieren, dass Vorstandsvorsitzende nicht direkt in den Vorsitz des Aufsichtsrats wechseln. Aber gegen ein Mandat als einfaches Mitglied spricht nichts. Darüber sollte der Gesetzgeber noch einmal nachdenken.

Kommentare zu " Manfred Schneider: Mächtiger Aufseher mit Abschiedsschmerz"

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  • Lieber Herr Schneider, machen Sie sich keine Sorgen, sie sind ihrem Unternehmen so abkömmlich wie der Toilettenreiniger. Das Unternehmen wird es verkraften, die Mitarbeiter werden es verkraften, die Investoren werden es überleben. Und in wenigen Monaten wird es niemandem mehr auffallen, dass Sie weg oder überhaupt mal da gewesen sind. Und wenn Sie dann mal, wie jeder von uns, sterben werden, wird es einigen Familienmitgliedern auffallen, einige ehemalige Mitarbeiter werden das letzte Mal heucheln, einige Artikel in Buchstaben gefasst, werden noch existieren, vielleicht dass Sie hie und da nochmals wo umschrieben werden, das ist's dann gewesen. [...]

    [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

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