Mangelnde Größe
Das große Problem der griechischen Firmenlandschaft

Ein griechischer Anbieter von Glücksspielen ist der Favorit der Anleger in Athen - und ein Sonderfall. Denn die 50 größten Unternehmen Griechenlands erwirtschaften zusammen so viel wie der deutsche Eon-Konzern.
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DüsseldorfTrotz tiefer Rezession und drohender Staatspleite hat sich Griechenlands wichtigster Börsenindex ASE erstaunlich gut entwickelt. In den vergangenen sieben Wochen gewann das Aktienbarometer 30 Prozent. Zum Vergleich: Der Deutsche Aktienindex schaffte im selben Zeitraum knapp die Hälfte - und legte dennoch einen grandiosen Start hin.

Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Athens Börsenrally von einem niedrigen Ausgangsniveau startete. Der Börsenindex war in den vergangenen vier Jahren um 90 Prozent abgestürzt - was auch die Ertragskraft der börsennotierten Unternehmen widerspiegelte. Handelsblatt-Berechnungen zeigen: Bei fast allen Unternehmen sind die Erträge in den vergangenen Jahren massiv eingebrochen. Deshalb erreichen selbst die größten Konzerne, gemessen an ihren Gewinnen und Umsätzen, nur noch deutsches MDax-Niveau. Immerhin, das betonen risikofreudige Anleger, wirtschaften die meisten Unternehmen aber noch profitabel.

Favorit der Investoren ist der teilprivatisierte Lotto- und Sportwettenanbieter Opap mit einem Nettogewinn von 482 Millionen Euro. Kein griechisches Unternehmen verdiente im vergangenen Jahr mehr als Opap. Von jedem Euro Umsatz blieben elf Cent Reingewinn übrig. Solch eine üppige Marge erreicht im Dax nur der Softwarekonzern SAP. Mit einer voraussichtlichen Dividende von 90 Cent je Aktie erreicht Opap bei einem Aktienkurs von 6,90 Euro eine Dividendenrendite von 13 Prozent - mehr als jeder Dax-Konzern. Und drastische Kürzungen der Rendite müssen Anleger kaum fürchten. Denn Opaps Fußball- und Spielewetten laufen gerade in der Krise gut.

Allerdings: Das Geschäft mit Sportwetten stärkt weder die marode Binnenwirtschaft noch den zusammengebrochenen Exportsektor. Und außerdem ist Opap mit seinen hohen Erträgen ein Sonderfall, wie eine Analyse der 50 größten griechischen Unternehmen zeigt. Durchschnittlich brachen die Nettogewinne der 50 größten griechischen Unternehmen binnen eines Jahres um 85 Prozent auf rund 100 Millionen Euro ein. Bereits 2010 waren die Gewinne um 40 Prozent und 2009 um 34 Prozent gesunken.

Hauptgrund für die Misere sind die Finanzinstitute. Sie machten 2011 rund zwei Milliarden Euro Verlust an, allein die Bank of Piraeus und die National Bank of Greece trugen dazu eine Milliarde Euro bei.

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Zwei von drei großen Firmen profitabel

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