Mangelnde Nachfrage
Autoindustrie spielt den Elektro-Blues

Noch vor wenigen Jahren übertrafen sich die Autohersteller mit neuen Elektromobil-Konzepten. Doch nach den Milliardeninvestitionen herrscht Katerstimmung. Die Elektromobilität kommt nicht in die Gänge.
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Paris/Düsseldorf"Die Elektromobilität kommt. Für Autohersteller, die da zögern, wird es verdammt eng werden", prognostizierte BMW-Chef Norbert Reithofer noch vor vier Jahren. Damals, 2008, hatte der Hype um das Elektroauto seinen Höhepunkt erreicht. BMW träumte den Traum vom Megacity Vehicle, einem rein elektrischen Stadtauto. Die Aussicht auf einen emissionsfreien Autoverkehr euphorisierte Politiker wie Automanager.

Diese Zeiten sind vorbei. Auf dem Autosalon in Paris halten sich die Hersteller derzeit mit reinen Elektroneuheiten zurück - stattdessen zeigen sie stolz ihre Hybrid-Fahrzeuge. Und auch der Gipfel für die Elektromobilität im Kanzleramt endete gestern ohne Ergebnis. Kanzlerin Angela Merkel wollte der angereisten Führungsriege der deutschen Autoindustrie keine zusätzlichen Investitionen zusagen.

Stattdessen gab sie nur den vagen Ausblick, dass man das Ziel von einer Million E-Autos bis zum Jahr 2020 "nicht ganz einfach erreichen" werde. Trotzdem wolle man daran festhalten. Man hätte schließlich noch acht Jahre Zeit. Bis Ende 2013 soll die Elektromobilität wie bisher angekündigt mit einer Milliarde Euro zusätzlich gefördert werden. Schon aus dem Konjunkturpaket II hatte die Bundesregierung 500 Millionen Euro zur Förderung der Elektromobilität zur Verfügung gestellt. Auch Steuerbegünstigungen für E-Autos sollen bis Ende des Jahres im Bundestag verabschiedet werden.

Ob das ausreicht, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen, darf bezweifelt werden: 18 Jahre nach Beginn des Pilotprojekts "Erprobung von Elektrofahrzeugen" sind in Deutschland gerade einmal 4 600 E-Autos unterwegs - das entspricht 0,01 Prozent aller zugelassenen Fahrzeuge. Damit ist die Elektromobilität immer noch ein Randphänomen. Die Nachfrage fehlt. Und die Unsicherheit ist zurück.

In Zeiten sinkender Umsätze in Europa und neuer Sparprogramme wird es für die Hersteller immer schwieriger, die hohen Investitionskosten zu rechtfertigen. 17 Milliarden Euro haben die Unternehmen für ihre Elektroautos in den nächsten Jahren eingeplant. "Die Elektromobilität steht am Scheideweg", sagt auch Carsten Kahner von der Unternehmensberatung Arthur D. Little. Er hat die Elektrostrategien der Hersteller in einer Studie untersucht. Einen kurzfristigen Durchbruch für reine Elektrofahrzeuge erwartet er nicht. Die hohen Investitionen dürften sich erst mittel- bis langfristig auszahlen. Stattdessen könne die Plug-In-Hybridtechnologie künftig eine entscheidende Rolle spielen.

Das Problem der Hersteller: Für die elektrische Mobilität gibt es derzeit noch kein profitables Modell. Die Reichweite der E-Autos ist klein, die Mehrkosten umso größer. Insbesondere die hohen Batteriekosten treiben den Preis in die Höhe. Selbst mit Leasingmodellen fahren die elektrischen nicht wirtschaftlicher als vergleichbare Modelle mit sparsamen Verbrennungsmotoren. Durch die geringeren Wartungskosten von Elektroautos dürften auch die Geschäfte der Händler leiden. Die Motivation zusätzlicher Investitionen in die Elektromobilität sinken.

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„Es fehlt ein bahnbrechendes Konzept“

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  • Das fehlende "Bahnbrechende Konzept" ist ein Preis, der sich rechnet. Ich würde mir einen E-Smart auf den Hof stellen, wenn nicht schon allein die Batteriemiete so hoch wäre, daß sie die monatlichen Spritkosten meines derzeitigen City-Gefährtes erreicht.

  • Da tritt der Wahnsinn wieder zu Tage. Der Bundeshosenanzug verzettelt sich ganz einfach. Alles wird zur "Chefsache" erklärt, aber nichts wird fertig. Und alles was sie anfängt kostet einen großen Haufen nicht vorhandenen Geldes.

  • Natürlich Steuergelder für die Automobilindustrie !
    Irgendjemand muss natürlich die Tantiemen der Manager und das Gehalt eines H.Winterkorn (16 Mio./Jahr) finanzieren.

    Abwrakprämie hatten wir auch schon bezahlt.
    Gehts etwas bescheidener auch Ihr sog. Alphatiere ?

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