Mannesmann-Prozess beginnt: Was von den Vorwürfen übrig ist

Mannesmann-Prozess beginnt
Was von den Vorwürfen übrig ist

Der größten Übernahme der Wirtschaftsgeschichte folgt ein spektakulärer Strafprozess. Sogar mit Einflussnahme auf die Spitzen der deutschen Politik wurde versucht zu verhindern, was am Mittwoch kommender Woche in Saal L 111 des Düsseldorfer Landgerichts beginnen wird: Die Hauptverhandlung gegen Prominente der deutschen Wirtschaft wegen Prämien und Abfindungen beim Kauf des traditionsreichen Mannesmann-Konzerns durch die britische Vodafone-Gruppe.

HB DÜSSELDORF. Vor vier Jahren tobte die wochenlange und mehrere hundert Mill. € teure Schlacht gegen die feindliche Übernahme der Briten, die die Düsseldorfer wegen ihrer Mobilfunk-Sparte einverleiben wollten. Als der Kampf verloren scheint, wird bekannt, dass Mannesmann-Vorstandschef Klaus Esser, in der Boulevardpresse inzwischen zum „Superhirn“ aufgestiegen, der Abgang mit mehr als 60 Mill. DM versüßt wird. Insgesamt werden 111 Mill. DM (57 Mill. Euro) ausgeschüttet, die nach Ansicht der Ankläger illegal waren.

Die Beschäftigten sind empört. Schnell kursiert der Vorwurf, Esser habe sich seine Zustimmung zur Mega-Übernahme abkaufen lassen. Zwei Wirtschaftsrechtler stellen Strafanzeige, Staatsanwälte ermitteln, stellen das Verfahren ein und müssen die Akten schließlich auf Geheiß des neuen Generalstaatsanwalts wieder öffnen. Im zweiten Anlauf kommen die Ermittler weiter.

Trotz massiver Interventionen der renommiertesten Strafverteidiger Deutschlands wird gegen die Beschuldigten schließlich Anklage erhoben. Unter ihnen sind Josef Ackermann, inzwischen Chef der Deutschen Bank und damals Aufsichtsrat von Mannesmann, der ehemalige IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, Esser sowie Ex-Mannesmann- Aufsichtsratschef Joachim Funk. Allein Essers Verteidigung hatte fünf Mal beantragt, das Verfahren einzustellen.

So genannte „Golden Parachutes“ (Goldene Fallschirme) sind nach Fusionen für ausscheidende Vorstandsmitglieder im angelsächsischen Raum üblich, im deutschen Aktienrecht jedoch nicht vorgesehen. Es gebe keinen Grund, 57 Mill. € zusätzlich zu den vertraglich geregelten Summen an ausscheidende Mitarbeiter zu verteilen, sagen die Kritiker der Vorgänge während der letzten Tage des Mannesmann- Konzerns. Sie sehen das Konzernvermögen geschädigt, die Pflicht zu einem treuhänderischen Umgang mit Konzerngeldern verletzt.

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