Mannesmann-Prozess
BGH beurteilt Prämien-Millionen skeptisch

Der Bundesgerichtshof (BGH) hegt massive Zweifel an zentralen Gründen für die Freisprüche von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und anderen Managern im Mannesmann-Prozess.

HB KARLSRUHE. Im Revisionsverfahren vor dem höchsten deutschen Strafgericht sehen die Ankläger gute Chancen, dass das Mammutverfahren neu aufgerollt werden muss.

Richter Gerhard von Lienen deutete in der mündlichen Verhandlung vor dem BGH am Donnerstag in Karlsruhe an, Ackermann habe als Mitglied des Aufsichtsratspräsidiums von Mannesmann möglicherweise doch um die Fragwürdigkeit seines Tuns gewusst, als er eine Prämie von drei Millionen Euro für den damaligen Aufsichtsratschef Joachim Funk mit billigte.

Funk hatte eine Millionen-Prämie verlangt und dann selbst mit dafür gestimmt. Schon diese Tatsache sei „etwas, das eigentlich jedem auffällt, dass das nicht in Ordnung ist“, kritisierte der Berichterstatter des dritten Strafsenats.

Auch die Wirtschaftsprüfer der KPMG hätten Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Zahlung an Funk angemeldet. Diese seien nicht endgültig ausgeräumt worden. „Wenn man alle Punkte zusammenbringt, hat man doch wenigstens Zweifel, dass man die Behauptung eines Irrtums übernehmen kann“, betonte von Lienen. „Dazu finde ich im Urteil wenig.“ Das Landgericht Düsseldorf hatte bei der Begründung seines Freispruchs im Juli 2004 unter anderem erklärt, Ackermanns Unkenntnis der Rechtswidrigkeit der Prämie - ein so genannter Verbotsirrtum - habe den Deutsche- Bank-Chef vor einer Verurteilung bewahrt.

Von den Angeklagten erschienen lediglich Esser und sein ehemaliger Kollege Dietmar Droste persönlich vor Gericht. Nach siebeneinhalb Stunden vertagte sich das Gericht auf Freitag. Damit wird zum ersten Mal seit Jahren eine Verhandlung vor dem BGH länger als einen Tag dauern.

„Der bisherige Verlauf der Verhandlung sieht wohl so aus, dass wir mit unserem Anliegen gute Karten haben“, zeigte sich Bundesanwalt Gerhard Altvater zuversichtlich. Ackermann-Anwalt Klaus Volk räumte „harte und kritische Fragen“ der Richter ein. Die Deutsche Bank kommentierte den ersten Verhandlungstag nicht. Ein Sprecher sagte nur, der Aufsichtsrat habe sich klar hinter Ackermann gestellt. Sollte es zu einer Neuauflage des Prozesses und dabei zu einer Verurteilung kommen, dürfte der Top-Banker nicht mehr als Vorstandschef von Deutschlands größtem Geldhaus zu halten sein.

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