Mannesmann-Prozess vor dem BGH
Staatsanwälte werfen Esser Schlimmeres vor

Tag 2 im Mannesmann-Prozess vor dem Bundesgerichtshof. Die Staatsanwälte fahren schweres Geschütz auf, um die Freisprüche des Düsseldorfer Landgerichts zu kippen. Die Vorwürfe gehen merklich über die des ersten Verfahrens hinaus.

HB/brc/ben/ke KARLSRUHE. Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser hat sich aus Sicht der Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit Millionenprämien bei der Übernahme seines Unternehmens durch Vodafone wegen Untreue strafbar gemacht. Er habe 2000 die vom Präsidium des Aufsichtsrats gefassten Prämienbeschlüsse - von denen er selbst profitierte - maßgeblich vorbereitet, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Wehowsky am Freitag vor dem Bundesgerichtshof.

Chefankläger Bundesanwalt Gerhard Altvater warf auch dem früheren IG-Metall- Chef Klaus Zwickel Untreue vor, obwohl er sich bei den Prämienbeschlüssen der Stimme enthalten hatte. Zwickel habe durch seine Teilnahme an den Sitzungen die Beschlussfähigkeit des Gremiums hergestellt und so die „pflichtwidrigen Beschlüsse“ ermöglicht. Zwickels Verteidiger Jürgen Pauly entgegnete, es gebe keine „Rechtspflicht zum Boykott“ von Präsidiumssitzungen.

Lesen Sie den Artikel aus dem Handelsblatt vom Freitag, der Klaus Esser auf dem obigen Foto gebannt in die Zeitung schauen lässt: "Hätte, wäre, sollte, könnte ..."

Mit den Vorwürfen gegen Esser geht die Bundesanwaltschaft über die im Düsseldorfer Mannesmann-Prozess 2004 erhobenen Vorwürfe hinaus: Das Landgericht hatte gegen Esser nur wegen Beihilfe zur Untreue verhandelt und in letztlich - wie auch die fünf Mitangeklagten - freigesprochen. Oberstaatsanwalt Wehowsky argumentierte, der Vorstand habe eine Vermögensbetreuungspflicht auch für die eigene Vergütung. Esser hatte im Zusammenhang mit der Mannesmann-Übernahme durch den britischen Mobilfunkkonzern einen Bonus von umgerechnet fast 16 Millionen Euro erhalten; insgesamt waren 57 Millionen Euro an die Manager und Manager in Pension ausgeschüttet worden.

Essers Verteidiger Jürgen Welp widersprach der Bundesanwaltschaft entschieden. Die Entscheidung über die Vorstandsvergütung liege in der ausschließlichen Zuständigkeit des Aufsichtsrats. Essers Vorbereitung der Beschlüsse habe keinen entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis gehabt.

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