Manz
Schwäbischer Apple-Zulieferer am Tropf der Chinesen

Der Maschinenbauer Manz hat 2015 wie angekündigt einen satten Verlust erlitten. Der neue Geschäftsbericht verrät: Scheitert der geplante Einstieg eines chinesischen Investors, droht dem Unternehmen die Pleite.

ReutlingenDie Mitteilung klang auf den ersten Blick harmlos. Die Manz AG und die Shanghai Electric Group beabsichtigen eine strategische Zusammenarbeit“, teilte der schwäbische Apple-Zulieferer Ende Februar mit. Nun wird klar: Der Einstieg des chinesischen Kraftwerksbauers ist eine Rettung in höchster Not. Das legt jedenfalls der neue Geschäftsbericht nahe, den die börsennotierte Manz AG am Mittwoch veröffentlichte.

Im mehr als zehn Seiten umfassenden Risikobericht ist von einer möglichen Insolvenz die Rede, falls die geplante Kapitalerhöhung scheitert. Der Maschinenbauer erhofft sich von den Chinesen rund 90 Millionen Euro frisches Eigenkapital. Voraussetzung sind allerdings verschiedene Genehmigungen in Asien. „Sollten diese Genehmigungen, entgegen der Erwartung des Managements der Manz AG, nicht erfolgen, wäre der Unternehmensfortbestand der Manz-Gruppe und/oder einzelner Tochtergesellschaften gefährdet“, heißt es im Risikobericht.

Manz steckt in Schwierigkeiten, weil Kunden im vergangenen Jahr überraschend Aufträge stornierten oder verschoben. Der Umsatz brach von mehr als 300 Millionen Euro (2014) auf nur noch 222 Millionen Euro ein. Vor Zinsen und Steuern weist der Apple-Zulieferer einen Verlust von mehr als 58 Millionen Euro aus. Unterm Strich steht ein Minus von mehr als 64 Millionen Euro. Im Tagesgeschäft gab das Unternehmen viel mehr Geld aus als es einnahm: Der so genannte operative Cashflow beträgt minus 57 Millionen Euro.

Im Herbst hatte Manz ein Sparprogramm eingeleitet. 174 Mitarbeiter erhielten eine Kündigung, davon 73 in Deutschland und 101 an den internationalen Standorten. Die „Optimierung der Kostenbasis“ und der geplante Einstieg der Chinesen sollen eine „solide Grundlage für eine zukünftig wieder positive Unternehmensentwicklung“ bilden, teilte der Maschinenbauer am Mittwoch mit.

Gründer und Vorstandschef Dieter Manz blickt optimistisch nach vorn. Er sei sicher, 2016 zumindest vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wieder schwarze Zahlen zu schreiben, sagte er der Agentur Reuters. „Die Situation in China hat sich deutlich beruhigt. Unsere Kunden sind wieder bereit, zu investieren.“

Im Bezug auf den neuen Ankeraktionär Shanghai Electric gibt sich Manz sorglos: „Aktuell stehen noch letzte behördliche Genehmigungen aus, dabei erwarten wir jedoch keine Überraschungen. Es geht also alles seinen geplanten Gang“, lässt er sich in einer Pressemitteilung zitieren.

Der Gründer hat seine Millionen längst gerettet

Was er macht, wenn es doch Überraschungen gibt, steht im Risikobericht: „Bei einem Scheitern des Einstiegs von Shanghai Electric würde Manz weitere, bereits initiierte alternative Eigenkapitalmaßnahmen verfolgen. Aufgrund der Ungewissheit dieser Alternativen sowie deren zeitlichen Realisierbarkeit, wäre auch hier der Fortbestand der Manz-Gruppe gefährdet.“

Dieter Manz selbst wäre davon weit weniger betroffen als noch vor einem Jahr. Ende April 2015 verkaufte der Gründer 100.000 Aktien für rund 8,5 Millionen Euro. Danach gab die Manz AG innerhalb von vier Monaten zwei Gewinnwarnungen. Der Vorgang veranlasste die Finanzaufsicht Bafin im vergangenen Oktober zu einer Routineprüfung auf möglichen Marktmissbrauch. Laut einer Sprecherin dauert die Untersuchung weiterhin an.

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