Manz-Sparprogramm
Apple-Zulieferer setzt Mitarbeiter vor die Tür

Die Krise beim Maschinenbauer Manz erreicht die Belegschaft. Die Display- und Batteriesparte kämpft mit Problemen. Nach Gewinnwarnungen baut der Apple-Zulieferer Jobs ab – und kündigt Mitarbeitern kurz vor Weihnachten.

DüsseldorfDieter Manz erlebt eine wenig besinnliche Adventszeit. Der Vorstandschef des gleichnamigen Maschinenbauers und Apple-Zulieferers hat gleich mehrere Probleme. Statt des geplanten Umsatzsprungs und schwarzen Zahlen steht ein zweistelliger Millionenverlust bevor. Die Finanzaufsicht Bafin prüft seit Wochen routinemäßig die Aktie der Manz AG wegen auffälliger Kursbewegungen. Und dann laufen zum 31. Dezember auch noch wichtige Kreditverträge aus.

174 Kündigungen, 73 in Deutschland

Als wäre das nicht genug, hat Manz auch noch Ärger mit der IG Metall. Die hat in seinem Unternehmen zwar bisher nichts zu sagen. Doch nachdem Manz Anfang November ein Sparprogramm angekündigt hat, machte die Gewerkschaft vor dem Werkstor Stimmung. „Spätestens jetzt ist die Zeit gekommen, einen richtigen Betriebsrat zu wählen, der die Interessen der Beschäftigten mit dem Schutz des Betriebsverfassungsgesetzes vertreten kann“, stand auf einem Flugblatt.

An diesem Donnerstag hat der Maschinenbauer den Metallern neue Argumente gegeben. „Insgesamt wird sich Manz von 174 Mitarbeitern trennen, davon 73 Mitarbeiter an den deutschen und 101 Mitarbeiter an den internationalen Standorten“, heißt es in einer am Morgen veröffentlichten Mitteilung. Die Maßnahme bringe eine „deutliche Straffung der Organisation“ mit sich. Der Vorstand rechne mit einer jährlichen Ersparnis von sieben Millionen Euro.

„Die betroffenen Mitarbeiter erhalten noch am Vormittag ihre Kündigungen“, sagte ein Sprecher dem Handelsblatt. Diese würden in den kommenden drei bis sechs Monaten wirksam. Der Stellenabbau treffe vor allem die Produktion. Hierzulande streicht Manz 50 Arbeitsplätze in Reutlingen, 13 in Tettnang am Bodensee, 6 in Karlstein und 4 in Tübingen. Dazu kommen 47 Stellen in Taiwan, 31 in China, 14 in der Slowakei und 9 in Italien.

IG Metall schimpft auf Vorstand - Sprecher kontert

Ralf Jaster von der IG Metall Reutlingen wirft Vorstandschef Dieter Manz moralisches Fehlverhalten vor. „Im April verkaufte er Aktien für mehr als acht Millionen Euro und jetzt werden Mitarbeiter gekündigt und gehen leer aus. Das geht gar nicht“, sagte er. Weil die Manz AG keinen Betriebsrat habe, gebe es auch keinen Sozialplan für die betroffenen Beschäftigten.

Der Manz-Sprecher entgegnete darauf: „Der Aktienverkauf steht in keinem Zusammenhang mit den Sparmaßnahmen.“ Außerdem gebe es individuelle Abfindungen für die Betroffenen. Wie hoch diese in Summe ausfallen, ließ der Sprecher zunächst offen.

Mit dem Sparprogramm reagiert der Maschinenbauer auf Probleme in seiner Display- und Batteriesparte. In Asien hatten Kunden mehrfach Aufträge verschoben. Während sich Aufträge verzögerten, kosteten Mitarbeiter, Gebäude und Anlagen weiter Geld. Ergebnis: Die Manz AG gab im Tagesgeschäft fast 60 Millionen Euro mehr aus als sie einnahm. Im Vorjahreszeitraum war das Unternehmen beim so genannten operativen Cashflow noch gut elf Millionen Euro im Plus.

Manz-Aktie auf Achterbahnkurs

Offen ist, wie es mit der Solarsparte weitergeht. Manz hatte bereits angedeutet, womöglich bald keine Anlagen mehr für die Solarindustrie zu bauen. Am Donnerstag teilte das Unternehmen mit, die „Prüfung der strategischen Optionen für den Geschäftsbereich Solar“ werde wohl erst Anfang 2016 abgeschlossen. Die Sparte hatte in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres bei 17 Millionen Euro Umsatz einen operativen Verlust von fast 14 Millionen Euro ausgewiesen.

Die Manz-Aktien stürzten am Donnerstag zunächst um bis zu 6,2 Prozent auf 39,50 Euro ab und gehörten zwischenzeitlich zu den schwächsten Werten im TecDax. Bis zum Mittag erholte sich der Kurs wieder.

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