Marchionnes riskante Wette
Chrysler hilft Fiat noch aus der Patsche

Im Heimatmarkt Italien ist für Fiat wenig zu holen. Darum plant Konzernchef Sergio Marchionne die Komplettübernahme von Chrysler. Doch nach Modelleinführungen bricht der Gewinn der US-Tochter ein.
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TurinSergio Marchionne steht unter Druck: Fiat leidet weiterhin unter der Flaute auf dem europäischen Automarkt. Allerdings hat der italienische Hersteller seinen Verlust in der Region Europa, Naher Osten und Afrika verringern können. Das Unternehmen verlor hier im ersten Quartal operativ 111 Millionen Euro und damit ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum. Das Kunststück gelang Fiat, obwohl die Auslieferungen von Neuwagen weiter zurückgingen. Das Unternehmen stemmte sich mit Kostensenkungen dagegen.

Weltweit konnte Fiat dank seiner US-Tochter Chrysler abermals einen Gewinn einfahren, wie das Unternehmen am Montag am Sitz in Turin mitteilte. Jedoch sank das Ergebnis auf unterm Strich 31 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte der Fiat-Konzern noch 262 Millionen Euro verdient. Grund für den Rückgang war, dass Chrysler mehrere teure Modelleinführungen zu stemmen hatte.

Der Quartalsgewinn des US-Autokonzerns brach gegenüber dem Vorjahr um 65 Prozent auf 166 Millionen Dollar ein. Dessen ungeachtet zeigte sich Konzernchef Marchionne zuversichtlich, dass der drittgrößte amerikanische Autobauer 2013 einen Nettogewinn von 2,2 Milliarden Dollar erzielen wird. Chrysler bleibe trotz der starken Anlaufkosten auf Kurs, sagte Marchionne. Der Nettoumsatz fiel im ersten Vierteljahr um sechs Prozent auf 15,4 Milliarden Dollar.

Ohne Chrysler hätte Fiat jedoch weltweit 235 Millionen Euro verloren. Der Konzernumsatz sank um zwei Prozent auf 19,8 Milliarden Euro. Am Jahresausblick hielt der Fiat-Konzern fest. Der Umsatz soll von 84 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf 88 bis 92 Milliarden Euro steigen. Der Gewinn soll bei unterm Strich 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro herauskommen. 2012 waren es 1,4 Milliarden Euro.

Fiat hält 58,5 Prozent an Chrysler und würde die restlichen Anteile gerne dem Gesundheitsfonds der US-Autogewerkschaft UAW abkaufen. Ihr Fonds VEBA hält die anderen 41,5 Prozent. Die beiden Seiten sind sich aber beim Preis uneins. Angesichts der Spekulationen über eine Komplettübernahme waren die Fiat-Aktien am vergangenen Donnerstag auf 4,91 Euro und damit den höchsten Stand seit rund 14 Monaten geklettert. Am Montagnachmittag notierten die Papiere bei 4,63 Euro.

Nach Informationen von Reuters ist Fiat wegen der Übernahmepläne derzeit im Finanzierungsgesprächen mit Banken. Diese sollen im nächsten Monat abgeschlossen werden. Händlern zufolge machen zudem Spekulationen die Runde, dass die Italiener das Unternehmen in den USA an die Börsen bringen wollen, wenn die Fusion erst einmal erfolgt ist.

Auf der Hauptversammlung Anfang April hatte Marchionne erklärt, Fiat sei finanzstark genug und die Ausgabe von neuen Aktien nicht erforderlich. Fiat erwägt laut dem Manager im Falle einer Übernahme ausstehender Anteile auch den Verkauf von Aktivitäten. So solle die Verschuldung unter Kontrolle gehalten werden.

Fiat war 2009 beim damals vom Staat gestützten Autobauer Chrysler eingestiegen. Mit der US-Regierung vereinbarten die Italiener Meilensteine, bei deren Erreichen sie den Anteil am US-Konzern aufstocken können. Seit Sommer 2011 hat Fiat die Mehrheit des früheren Daimler-Konzernteils.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
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  • Mein nächstes Auto ist ein Fiat ;-)

  • Marchionne und Fiat zeigen dass Lügen verdammt lange Beine haben. Ich weiss nicht wie sie es hin kriegen aber von der reinen Logik her müsste Fiat schon sein über 20 Jahren pleite sein. Aber irgendwie hat der "liebe Gott" wohl eine ganz besondere Schwäche für Blender.

  • Fiat-Chrysler hat Weltweit gesehen im gleichen Zeitraum 8% mehr Auto verkauft als 2012. Siehe: http://www.autoblog.com/2013/04/29/chrysler-reports-166m-net-income-for-q1-down-307m-vs-2012/
    Auch wurden in den letzten 6 Monate viele neu Modelle entwickelt, Jeep Grand Cherokee, Jeep Ceeroky, Ram Hevy Duty, Ram Pro Master, Fiat 500e, Fiat 500l(für USA), Fiat 500 XL, Alfa 4c, Maserati Quattro Porte, Maserati Ghibili, La Ferrari gehören dazu.
    So viele neue Modelle in kurzer Zeit gab es bei Fiat-Chrysler noch nie. Viel dieser neuen Modelle kommen in 1 bis 3 Monate auf den Markt. Meiner Meinung nach wird 2013 wieder ein Rekord Jahr für Fiat Chrysler werden.

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