Marine-Industrie sieht Vorschläge einer Partnerschaft mit Frankreich skeptisch
Deutsche Werften wollen warten

Die deutsche Marine-Industrie reagiert mit Zurückhaltung auf Äußerungen des Chefs des staatlichen französischen Kriegsschiffbauers DCN über einen Zusammenschluss der Marine-Werften.

mjh/sk/tom DÜSSELDORF. Im Gespräch mit dem Handelsblatt hatte DCN-Chef Jean-Marie Poimbœuf gesagt, man sei sich unter den möglichen Partnern Thales, DCN und Thyssen-Krupp einig, wie ein solcher Verbund nach dem Vorbild der EADS in der Luftfahrt funktionieren sollte.

Doch weder Thyssen-Krupp noch der US-Finanzinvestor OEP, die zur Zeit die Fusion der beiden Thyssen-Krupp-Werften Blohm + Voss in Hamburg sowie der Nordseewerke im Emden mit der Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) vorbereiten, wollten dazu Stellung beziehen. Auch einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“, wonach es einen Entwurf für einen Vorvertrag für die Einbringung der deutschen Werften in einen europäischen Verbund gebe, bestätigten die Unternehmen nicht.

In Berliner Diplomatenkreisen heißt es aber, dass laufende Diskussionen über eine Werften-Fusion auf politischer Ebene im Herbst fortgeführt würden. Es gebe aber noch keine Gespräche über ein gemeinsames Programm, heißt es weiter. In der deutschen Industrie herrscht aber Skepsis über einen Zusammenschluss mit dem französischen Thales-Konzern und DCN, die zur Zeit über eine Teilfusion sprechen: „Es gibt starke Vorbehalte gegenüber einer solchen Partnerschaft“, heißt es. Die französischen Unternehmen seien vor allem am Transfer von Technologien interessiert, wollten aber keine Garantie für deutsche Standorte übernehmen.

Die Ausgangslage sei für die deutsche Firmen „sehr ungünstig“, sagt auch Helmut Harff, Rüstungsexperte beim BDI. Sie verfügten über eine starkes Knowhow, aber nur über ein geringes nationales Auftragsvolumen, das in ein gemeinsames europäisches Unternehmen eingebracht werden könne: „Wir müssen an einem Kartenspiel teilnehmen, ohne gute Karten zu haben. Den Joker haben andere, die teilweise in staatlichem Besitz sind oder mit starker Exportunterstützung ihrer Regierung rechnen können“, meint Harff.

Obwohl der Verbund der deutschen und französischen Marine- Werften – anders als das Vorbild EADS aus der Luftfahrt – kein ziviles Standbein haben wird, sehen Experten dennoch gute Chancen für eine wirtschaftlichen Erfolg: „Die Auftragsbestände der meisten großen europäischen Marine-Werften sind zur Zeit recht üppig, bis auf die der Deutschen“, sagt Reinhard Lüken, Generalsekretär der Community of European Shipyards.

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