Marken
Polen und Slowaken streiten um geräucherten Käse

Polens Goralen sind sauer. Wieder einmal ist es den Bergbauern der Tatra nicht gelungen, ihren berühmten Schafskäse „Oscypek“ als polnische Marke durch die EU-Kommission schützen zu lassen. Wenige Stunden vor Ablauf der von Brüssel gesetzten Frist protestierte die Slowakei gegen ein EU-Zertifikat für den polnischen Käse.

WARSCHAU. „Dieses Produkt gibt es nicht nur in Polen“, hieß es in einem Brief des slowakischen Landwirtschaftsministeriums. Die Slowaken fühlen sich im Recht, weil der Schafskäse tatsächlich in der ganzen Tatra hergestellt wird. Und die liegt bekanntlich auf beiden Seiten der polnisch-slowakischen Grenze. Was den Polen ihr „Oscypek“, ist den Slowaken ihr „Ostiepok“. Der polnische Käse enthält zwar etwas weniger Schafsmilch, doch ansonsten ist die Herstellung seit dem 15. Jahrhundert identisch. Der Käse wird in natürliche Därme gepresst, dann zum Trocknen an den Decken der Berghütten aufgehängt und anschließend geräuchert.

Bereits im Dezember hatte eine Auseinandersetzung um den salzigen Käse zwischen Polen und Slowaken mit einem Vergleich geendet. Beide Seiten kamen zu Schluss, dass es sich bei „Oscypek“ und „Ostiepok“ um zwei unterschiedliche Produkte handle und dass man sich gegenseitig bei der Registrierung nicht behindern wolle. Doch der Frieden hielt nicht lange. „Im Gegensatz zu den Slowaken können wir die Tradition der Käseherstellung im polnischen Teil der Tatra dokumentarisch belegen“, erklärte der zuständige polnische Regierungspräsident Andrzej Gasienica-Makowski vollmundig.

Die EU-Kommission hat die beiden Streithähne aufgerufen, sich gütlich zu einigen. Sollte dies innerhalb von sechs Monaten nicht möglich sein, wolle man selbst eine Entscheidung treffen, hieß es in Brüssel. Dabei hat die Kommission reichhaltige Erfahrungen mit derlei Auseinandersetzungen, seitdem sie solche Zertifikate ausgibt. Der härteste Kampf tobt um den Feta-Käse. Gegen den Widerstand Deutschlands, Dänemarks, Frankreichs und Großbritanniens hatte die EU-Kommission 2002 entschieden, dass nur Griechenland das Recht habe, den berühmten weißen Käse unter diesem Namen auf den Markt zu bringen. Diese Entscheidung wurde 2005 durch den Europäischen Gerichtshof bestätigt. Die betroffenen anderen Länder haben bis zum 15. Oktober dieses Jahres Zeit, alle ihre Produkte mit diesem Namen vom Markt zu nehmen.

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