Markenchef Bernhard verlangt von den Beschäftigten tiefgreifende Eingeständnisse
VW macht den Marrakesch zum Testfall

Europas größter Autobauer VW macht die Vergabe des Produktionsauftrags für den Golf-Geländewagen Marrakesch zum Testfall für seine deutschen Werke und den VW-Haustarif.

hof FRANKFURT. „Schaffen wir es, Autos wie den Geländewagen mit einem so hohen USA-Anteil hier wettbewerbsfähig zu fertigen, hat das Modellcharakter für zukünftige Projekte“, sagte Bernd Pischetsrieder der „Welt am Sonntag“. Ohne Abstriche am Haustarifvertrag sei das nicht möglich.

Nach einem dem Handelsblatt vorliegenden Forderungspaket sollen die Beschäftigten bei der Fertigung des Geländewagens dafür unter anderem teilweise auf die Bezahlung von Zuschlägen, Pausen, Qualifikationszeiten und Krankheitstagen verzichten. Der gesamte Forderungskatalog würde die Produktionskosten je Auto um mehr als 900 Euro senken. „Wir nehmen zu Einzelpunkten keine Stellung“, sagte dazu ein VW-Sprecher. Ziel von VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder ist es, den teuren Haustarif bei der Marrakesch-Produktion aufzuweichen, ohne ihn zu kündigen. Das sei nur die letzte Möglichkeit. Hartmut Meine, Chef der niedersächsischen IG Metall, forderte daraufhin, die Spekulationen zu beenden: „Die Gedankenspiele von Herrn Pischetsrieder führen in die Irre. Für die IG Metall steht der Haustarifvertrag unter keinen Umständen in Frage“, betonte er.

VW-Markenchef Wolfgang Bernhard hatte dem Betriebsrat ein Ultimatum bis zum 26. September gestellt, um auf die Forderungen zur Kostensenkung einzugehen. Ansonsten gehe der Fertigungsauftrag, an dem rund 1 000 Arbeitsplätze hängen, nach Portugal. Um die Kosten für das Auto auf das angestrebte Niveau zu senken, fordert Bernhard außerdem, größere Module zu günstigeren Preisen außerhalb des VW-Tarifs vormontieren zu lassen. Gibt es Qualitätsprobleme bei der Marrakesch-Produktion, sollen die Beschäftigten unentgeltlich nacharbeiten. Die meisten Forderungen des Managements sind bei der VW-Tochter Auto 5000, die den Touran baut, in ähnlicher Form verwirklicht.

Nach den Vorstellungen des Konzerns sollen in die Marrakesch-Fertigung zudem möglichst viele Auszubildende übernommen werden, die bereits nach dem Tarifvertrag aus dem vergangenen Herbst rund zehn Prozent schlechter bezahlt werden dürfen als nach der bislang geltenden Entlohnung. Dass zur Kostensenkung auch versucht werden soll, VW-Mitarbeiter mit Abschlagszahlungen aus dem Haustarif herauszukaufen und nach den billigeren Auto-5000-Konditionen weiterzubeschäftigen, wollte ein VW-Sprecher nicht bestätigen. „Wir verhandeln über vieles, aber intern“, sagte er. Dass diese Möglichkeit aber geprüft wird, wurde aus dem Umfeld des Konzerns bestätigt.

In dem aus dem vergangenen Herbst stammenden VW-Haustarifvertrag wurde Wolfsburg der Bau des Geländewagens zwar zugesichert, allerdings unter dem Vorbehalt der Wirtschaftlichkeit. Unabhängig davon will VW mehrere tausend Beschäftigte in Europa über Vorruhestandsregelungen und Abfindungen abbauen.

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