Markenhersteller vertrauen der Qualitätssicherung
Fleischskandal lässt Oetker und Nestlé kalt

Im Zusammenhang mit dem Fleischskandal im bayerischen Deggendorf haben Lebensmittelkontrolleure am Samstag weitere Firmen in Bayern nach dem Verbleib falsch deklarierter Schlachtabfälle durchsucht.

DÜSSELDORF. „Es stellt sich aber heraus, dass eine Rückverfolgung bis hin zu den Lebensmitteln sehr schwierig ist“, sagte ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums, das am Freitag eine Rückholaktion von insgesamt 2600 Tonnen eingeleitet hatte, die in betrügerischer Absicht umdeklariert worden waren. Noch habe man nicht herausgefunden, ob die Abfälle bereits in Supermärkten oder beim Verbraucher angekommen seien.

Zuvor war bekannt geworden, dass die nur als Hundefutter geeigneten Tierreste nach Italien, Ungarn und Frankreich geliefert worden waren. In Deutschland gingen die Abfälle nach Thüringen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Bayern. Die Namen der betroffenen Betriebe waren bis gestern noch nicht bekannt.

Bedeutende Markenhersteller der Ernährungsindustrie halten es für unwahrscheinlich, dass belastetes Material in ihre Produktionskette gelangt sein könnte. „Wir sind von diesem Skandal nicht betroffen“, sagte ein Sprecher der Bielefelder Oetker-Gruppe (Werbeslogan: „Qualität ist das beste Rezept“) dem Handelsblatt. Auch bei Nestlé bleibt man dank eines ausgefeilten Qualitätssicherungssystems gelassen. „Unsere Lieferanten werden in regelmäßigen und engmaschigen Rhythmen überprüft“, bestätigte ein Nestlé-Sprecher.

So wird befürchtet, dass die Fleischabfälle der Deggendorfer Frost GmbH entweder zu Press-Putenschnitzeln verarbeitet wurden oder auf den Tiefkühlpizzen von Handelsmarkenherstellern gelandet sein könnten. Doch auch Discounter wie Aldi, die viele preisgünstige Handelsmarken in ihrem Sortiment führen, fordern von ihren Lieferanten eine über gesetzliche Anforderungen hinausgehende geprüfte Qualität.

Nach der BSE-Krise vor fünf Jahren, bei der es um infiziertes Rindfleisch ging, hat sich im Lebensmittelhandel der „International Food-Standard“ (IFS) vor allem bei der Produktion von Eigenmarken durchgesetzt. In Deutschland gibt es das QS-System, dem sich viele Unternehmen angeschlossen haben.

Doch diese Systeme haben einen Haken: Eine Überprüfung der Lieferanten findet gewöhnlich nur einmal jährlich statt, wie auch der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) als Spitzenverband der deutschen Ernährungsindustrie bestätigt. Außerdem sei man „einer kriminellen Energie diesen Ausmaßes“ nicht gewachsen, betont BLL-Geschäftsführer Michael Welsch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%