Marketing mit Klimaschutz
Recycling soll Kunden locken

Wer sich für das Klima einsetzt, hat einen guten Ruf. Das wissen auch die Investitionsgüterhersteller. Mit ihrem Kampf gegen Klimakiller und für Nachhaltigkeit wollen sie den Erfolg ihrer Marken nachhaltig stärken und Vertrauen bei ihren Kunden gewinnen.

KÖLN. Klimaschutz und Nachhaltigkeit werden überraschend auch für deutsche Investitionsgüterhersteller zu einem beliebten Marketinginstrument. Nachdem der Spezialchemie-Konzern Lanxess bereits vor wenigen Wochen seine zehn Millionen Euro teure Lachgas-Reduktionsanlage in Betrieb genommen hat, die jährlich 1,5 Mill. Tonnen Klimagas einsparen soll, wirbt nun auch der börsennotierte Abfallrecycler Interseroh mit seiner CO2-Bilanz.

Das Kölner Unternehmen, das zuletzt mit 1 800 Mitarbeitern 1,75 Mrd. Euro umsetzte, hat vom Fraunhofer-Institut errechnen lassen, welche Kohlendioxid-Verringerung das Recycling von Abfällen bringt - mit erstaunlichen Ergebnissen: "Durch den Einsatz unserer Sekundärrohstoffe", berichtet Vorstandschef Johannes-Jürgen Albus, "verringerten sich die Emissionen im vergangenen Jahr um 5,2 Mill. Tonnen." Die entspräche - gerechnet nach dem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland - dem CO2-Ausstoß einer Stadt wie Gelsenkirchen.

Besonders die Wiederaufbereitung von Aluminium stellt sich laut Fraunhofer-Institut als ausgesprochen klimaschonend heraus. Um eine Tonne Aluminium aus dem Primärrohstoff Bauxit zu gewinnen, müsse man als Abfallstoff 10,6 Tonnen Kohlendioxid in Kauf nehmen; wer dagegen Alt-Aluminium verwende, setze lediglich 0,7 Tonnen frei. Fachleute wie Jens Baganz, Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium, attestieren Interseroh: "Wir sind von den Ergebnissen überwältigt."

Mit dem Thema Nachhaltigkeit hofft auch der amerikanische Teppichboden-Hersteller Interface- Flor, ein Konzern mit 5 000 Mitarbeitern und rund einer Mrd. Dollar Umsatz, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Bislang blieb dieser dem Teppichfliesen-Anbieter nahezu verschlossen, weil Architekten hierzulande fast ausschließlich so genannte Bahnenware ordern. Das soll sich nun ändern: "Bei der Bahnenware ist der Verschnitt und damit der Abfall viel größer", argumentiert Verkaufsdirektor Dirk Boll.

Der US-Konzern mit seiner Niederlassung in Krefeld hat zudem den gesamten Betrieb auf nachhaltiges Wirtschaften ausgerichtet: Mit der Rücknahme alter Teppichböden, dem Recycling der Garne und einem umweltschonenden Energieeinsatz wirbt Interface-Flor um die Gunst der Architekten. Seit 1996 habe man den CO2-Ausstoß um 82 Prozent verringert. Die Strategie könnte den Amerikanern Erfolg bereiten. "Gerade bei Unternehmen der öffentlichen Hand dürfen Einkäufer fünf bis zehn Prozent höhere Preise zahlen, wenn dies ökologisch sinnvoll ist", berichtet Maximilian Gege, Vorstandschef der Unternehmensvereinigung Baum.

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