Marketingstrategien
Pirelli lässt Gut gegen Böse kämpfen

Dämonen im düsteren Rom. Eine halbnackte Naomi Campbell mit schwarzen Flügeln als Engel des Bösen kämpft gegen den Hollywood-Star John Malkovich im Priestergewand. Ein gothisch angehauchter Kampf zwischen Gut und Böse ist das neueste Image-Projekt des italienischen Reifenherstellers Pirelli.

MAILAND. Marketing der besonderen Art. Nach dem legendären Pirelli-Kalender mit halbnackten Schönheiten kommt nun der Kurzfilm. Für „The Call“ hat Pirelli den Regisseur Antoine Foquà engagiert, der unter anderem „Training Day“ und den Oscar-nominierten Film „King Arthur“ gedreht hat. Gefilmt wurde im Römer-Krankenhaus Santo Spirito und in verlassenen Industriehallen, geschnitten in Hollywood.

Pirelli will mit dem Thriller vor allem das Image der Marke stärken und Kunden binden. „Den Kult um die Traditionsmarke steigern“, wie es das Traditionsunternehmen selbst ausdrückt. „Alle großen Marken müssen heute unterhalten, um zu überzeugen“, erklärt Nicola Novellone, Italien-Chef der Werbeagentur Leo Burnett, dem Handelsblatt das Konzept. Sie hat das Projekt begleitet. „Es handelt sich nicht um einen Werbefilm“, stellt Novellone klar. Auch in den kommenden Jahren soll jedes Jahr ein hochkarätig besetzter Spielfilm von zehn bis fünfzehn Minuten im Internet abrufbar sein.

Ab dem 23. März ist der Film im Internet unter der Adresse www.pirellifilm.com verfügbar. Begleiten wird Pirelli das neue Projekt mit einer Werbekampagne im Fernsehen, im Internet und in Zeitungen. Anders als der Pirelli-Kalender, den es nur in limitierter Ausgabe gibt und den nur besondere Kunden und Geschäftspartner erhalten, wird der Internet-Film für alle zugänglich sein.

Für den ersten Film hat Pirelli sich einen religiösen Hintergrund ausgesucht. Und um nicht die katholische Kirche gegen sich aufzubringen, ließ sich Foquà das Drehbuch von Padre John absegnen. Der Geistliche ist vom Vatikan mit der Pflege der Beziehungen zur Filmindustrie beauftragt und beriet schon Schauspieler Mel Gibson bei den Dreharbeiten zur „Passion Christi“.

In der Vergangenheit hat Pirelli außer mit seinen Kalendern auch mit extravaganten Werbekampagnen auf sich aufmerksam gemacht. So hatte etwa die berühmte Fotografin Annie Leibovitz vor zwölf Jahren den Weltklasse-Läufer Carl Lewis in roten High Heels am Startblock abgelichtet. Der Kalender nahm dagegen 1964 mit Pin-Up-Girls an der Zapfsäule seinen Anfang. In den 70er-Jahren wurde er über mehrere Jahre wegen Protesten der Quäker vom Markt genommen. In diesem Jahr zieren unter anderem das Skandal-Model Kate Moss und die Latino-Sängerin und -Schauspielerin Jennifer Lopez die Monate.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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