Markit-Wachstumsbarometer
Die Industrie verliert an Schwung

Das Industriewachstum in Deutschland und den Euro-Ländern hat im März etwas an Schwung verloren. Laut einer aktuellen Markit-Umfrage gibt es aber keinen Grund zu Pessimismus: Die Unternehmen machen gute Geschäfte.
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BerlinDie Industrie in Deutschland hat im März etwas an Schwung verloren. Die Firmen steigerten ihre Produktion zwar erneut, aber nicht mehr so kräftig wie noch im Februar, wie aus einer Umfrage der Markit-Experten unter hunderten deutschen Firmen hervorgeht, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Auch der Auftragseingang legte nicht mehr ganz so stark zu wie im Februar. Dennoch stockten die Unternehmen ihre Belegschaften in Rekordtempo auf. „Die Daten zeigen, dass das deutsche Produktionswachstum im ersten Quartal durchgehend stark war“, sagte Markit-Ökonom Tim Moore.

Der deutsche Einkaufsmanagerindex sank nach vorläufigen Berechnungen auf 60,9 Punkte von 62,7 Zählern im Februar. Befragte Analysten hatten lediglich mit einem leichten Rückgang auf 62 Zähler gerechnet. Das Barometer liegt damit aber immer noch weit über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten und signalisiert kräftige Zuwächse für die Industrie. Zugute kommt den einheimischen Firmen dabei ein etwas nachlassender Kostendruck: Zwar stiegen die Einkaufspreise erneut stark, aber nicht mehr so kräftig wie im Vormonat. Zudem gelang es den Unternehmen, einen Teil der Mehrbelastung an die Kunden weiterzureichen: Sie hoben ihre Preise so stark an wie seit Beginn der Datenerhebung 2002 nicht mehr.

Ähnliche Tendenzen zeigen sich im Auslandsgeschäft der deutschen Industrieunternehmen: Die Einkaufspreise stiegen im März so kräftig wie seit Juli 2008 nicht mehr. Allerdings konnten die Firmen auch hier einen Teil der Kosten weiterreichen: Sie steigerten ihre Preise annähernd so stark wie im Februar. Und trotz der Unruhen in Nahost und der Atom- und Naturkatastrophe in Japan laufen die Exportgeschäfte gut: Der Auftragseingang zog wieder stärker an als im Februar, das Wachstum war sogar so stark wie seit Juni 2010 nicht mehr.

Auf europäischer Ebene sind die Zahlen nicht ganz so prächtig: Der Einkaufsmanagerindex fiel um 1,3 auf 57,7 Punkte. Das Barometer hielt sich aber klar über die Marke von 50 Zählern und signalisiert damit ein kräftiges Wachstum, das wegen der starken Exportaufträge anhalten dürfte. „Höhere Inflationsraten sind jedoch die Kehrseite der Medaille“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. „So hoben die Industriebetriebe ihre Verkaufspreise sogar so stark an wie nie zuvor in der bisherigen Umfragegeschichte.“ Markit ließ für seine Analyse Tausende Industriefirmen in Europa befragen.

Bei den europäischen Dienstleistern hat sich der Aufschwung leicht beschleunigt. Das Barometer für den mit Abstand größten Wirtschaftssektor legte nach vorläufigen Berechnungen um 0,1 auf 56,9 Punkte zu und erreichte damit den höchsten Stand seit August 2007. Auch hier reagierten die Unternehmen auf den steigenden Kostendruck mit kräftigen Preiserhöhungen.

Der Composite-Index für die gesamte europäische Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - fiel um 0,7 auf 57,5 Zähler. „So hielt sich die Wachstumsrate annähernd auf dem Viereinhalb-Jahreshoch von Februar, was einen abermals kräftigen Jobaufbau nach sich zog“, sagte Williamson. „Der Aufschwung konzentrierte sich erneut weitgehend auf Deutschland, und zu einem geringeren Ausmaß auch auf Frankreich.“ In vielen anderen Ländern dürfte das Wachstum hingegen gedämpft ausfallen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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