Markt-Analyse
Zwang zur Größe in der Stahlbranche

Mittal-Steel-Gründer Lakshmi Mittal holt zum großen Schlag aus. Klappt sein Coup, den zweitgrößten Stahlhersteller Arcelor feindlich zu übernehmen, käme Mittal auf eine Rohstahlproduktion von 120 Millionen Tonnen und wäre damit vier mal größer als der nächstgrößte Konkurrent Nippon Steel mit gut 31 Millionen Tonnen.

HB DÜSSELDORF. Der größte deutsche Stahlhersteller Thyssen-Krupp belegt derzeit mit gut 17 Mill. Tonnen Platz zehn der Weltrangliste, könnte sich aber mit der Übernahme des kanadischen Konkurrenten Dofasco (4,3 Mill. Tonnen) auf Rang sieben vorschieben. Erst vor einer Woche hatte der Ruhrkonzern das Bietergefecht um Dofasco gegen Arcelor verloren. Mittal will aber Dofasco an die Deutschen weiter reichen, falls die Übernahme von Arcelor gelingen sollte. Das Risiko, dass die bislang teuerste Übernahme in der Stahlbranche scheitern könnte, halten Experten für gering.

Größe ist in der Stahlbranche ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Verglichen mit ihren Kunden sind selbst die größten Konzerne auch nach etlichen Fusionen in der Vergangenheit immer noch Leichtgewichte. Im Moment kommen die fünf größten Stahlunternehmen der Welt auf einen Marktanteil von 18 Prozent. Die fünf größten Automobilhersteller kontrollieren dagegen etwa zwei Drittel ihres Marktes. Sogar noch höher ist die Konzentration bei Erz, einem wichtigen Rohstoff für die Stahlproduktion. Drei Konzerne, CVRD aus Brasilien sowie Rio Tinto und BHP Billiton aus Australien, kontrollieren drei Viertel des weltweiten Erzhandels. Dieser Marktmacht hatten selbst Stahlriesen wie Mittal und Arcelor bislang kaum etwas entgegenzusetzen. Nun aber kann Mittal in Augenhöhe verhandeln.

Der aus Indien stammende Milliardär Lakshmi Mittal hatte sich in den vergangenen Jahren durch aggressive Übernahmen rund um den Globus auf der Weltrangliste immer weiter noch oben gekauft. Zuletzt lieferte sich Mittal mit Arcelor ein erbittertes Kopf-an-Kopf-Rennen um die Marktführerschaft. Arcelor war Anfang 2002 aus der Fusion von drei europäischen Unternehmen – Arbed aus Luxemburg, Aceralia aus Spanien und Usinor aus Frankreich – entstanden. Bis Anfang vergangenen Jahres war der Konzern mit Sitz in Luxemburg mit einer Produktion von 53 Millionen Tonnen das weltgrößte Stahlunternehmen. Dann übernahm Mittal den drittgrößten Stahlproduzenten der USA, ISG, und zog an den Europäern vorbei. Bis Ende 2005 baute Mittal seine Führung durch Zukäufe in Osteuropa weiter aus.

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