Markt für Nutzfahrzeuge
Daimler erwägt Einstieg bei Kamaz

Der deutsche Autokonzern Daimler vollzieht einen Schwenk in seiner Russland-Strategie für Nutzfahrzeuge. Die Stuttgarter erwägen eine Beteiligung am russischen LKW-Marktführer Kamaz, momentan prüfen sie die Bücher der Russen eingehend. Analysten sprechen von einem strategisch wichtigen Schritt.

Bislang hatte Nutzfahrzeugchef Andreas Renschler immer den Bau eines Werkes im russischen Markt favorisiert. Eine Beteiligung an Kamaz hatte Renschler dagegen abgelehnt, weil das Unternehmen bei seinen Altlasten zu hoch bewertet sei. Jetzt will sich der Autobauer nach einem Aufsichtsratsbeschluss wohl doch am russischen Marktführer von Nutzfahrzeugen beteiligen.

Die Stuttgarter sind als bevorzugte Bieter übrig geblieben und prüfen die Bücher der Russen eingehend. Bis Oktober wollen die Schwaben ein verbindliches Angebot abgeben. Deshalb wolle Daimler zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts zum möglichen Kaufpreis sagen, hieß es.

Die Moskauer Investmentgesellschaft Troika Dialog bestätigte das Interesse von Daimler an Kamaz. Troika will seit längerem den Anteil am LKW-Bauer von 54 Prozent auf zwölf Prozent reduzieren und 42 Prozent an einen industriellen Investor abgeben. Zunächst waren auch Volvo, MAN und Iveco eingeladen, aber die Schwaben sind übrig geblieben. Die Gesellschaft des Moskauer Multimillionärs Ruben Wadarnjan erklärte, dass ein Verkauf bis Jahresende angestrebt werde.

Die Aktie des russischen LKW-Herstellers stieg am vergangenen Freitag ungeachtet der Kurseinbrüche in Moskau um 9,7 Prozent. Gemessen am aktuellen Kurs würde Daimler das Kamaz-Paket rund 1,7 Mrd. Dollar kosten.

Allerdings ist die Aktionärsstruktur des LKW-Herstellers nicht unproblematisch: 37,8 Prozent der Kamaz-Aktien werden von der im Aufbau befindlichen Staatsholding Rostechnologii gehalten. Sie wird von Sergej Tschemesow geleitet, einem Vertrauten von Premierminister Wladimir Putin. Rostechnologii ist ebenso an Werken der Rüstungsindustrie, am größten russischen PKW-Produzenten AvtoVaz (Marke: Lada), dem weltgrößten Titanproduzenten Vsmpo Avisma und anderen Industriebetrieben beteiligt.

Mit Rostechnologii will der russische Staat sein Gewicht in der Industrie stark ausweiten. Das könnte nach Angaben von Moskauer Analysten zu ähnlichen Aktionärskonflikten führen wie sie aktuell beim britisch-russischen Ölkonzern TNK-BP zu sehen sind.

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