Markt setzt auf Cash-Lösung
Geheimer Showdown im Optionspoker zwischen Fiat und GM

Spitzenmanager von Fiat und General Motors (GM) haben sich am Dienstagabend an einem geheim gehaltenen Ort getroffen, um eine Lösung im Streit um die Verkaufsoption von Fiat Auto zu finden.

HB ZÜRICH. Hoffnungen auf eine rasche Beilegung des Disputs verhalfen den Aktien des italienischen Unternehmens zu Kursgewinnen von mehr als drei Prozent. Fiat erklärte jedoch, am Abend sei keine Stellungnahme mehr geplant. Dutzende Reporter warteten nahe des GM-Europa-Sitzes in Zürich, wo sich die Manager einschließlich beider Konzernchefs treffen sollten. Doch sie verlegten die Sitzung offenbar in letzter Minute an einen geheimen Ort und ließen auch keinerlei Informationen durchsickern. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet unter Bezug auf Kreise, das Treffen finde nun in Deutschland statt. An den Verhandlungen nehmen neben Fiat-Chef Sergio Marchionne und dem Leiter der Autosparte Herbert Demel auch die Nummer Eins von General Motors Richard Wagoner teil, berichteten italienische Medien. Am Mittwoch läuft ein einjähriges Abkommen beider Unternehmen ab, das rechtliche Schritte in dem Fall untersagte.

Im Mittelpunkt des Streits zwischen Fiat und GM steht die Option der Italiener zum Verkauf der Autotochter an GM. Fiat kann diese so genannte Put-Option der Vereinbarung zufolge ab dem 24. Januar 2005 ausüben. Seit einer Kapitalerhöhung bei Fiat besteht zwischen beiden Konzernen aber Uneinigkeit über die Gültigkeit des Abkommens. Fiat hatte vor vier Jahren 20 % der Autotochter an GM verkauft und eine Option zur Veräußerung der restlichen 80 % mit dem US-Konzern vereinbart. Durch eine Kapitalerhöhung hat sich die Beteiligung des weltgrößten Autoherstellers an Fiat Auto aber mittlerweile auf zehn Prozent verwässert. Während GM die Option damit nicht mehr für gültig hält, besteht Fiat weiter auf seinem Recht, die übrigen 90 % verkaufen zu können.

Italienische Medien spekulierten, Fiat könnte gegen eine GM-Zahlung von 500 Mill. bis zu einer Milliarde Euro auf die Durchsetzung der Verkaufsoptionen verzichten. Entsprechende Gerüchte verhalfen den Fiat-Titeln zu Kursgewinnen, während GM-Aktien rund ein Prozent nachgaben. „Am Markt wird auf eine Cash-Lösung gesetzt“, sagte ein Händler. Experten rechnen allerdings bei einer Ausübung der Option auch noch mit Widerstand der italienischen Regierung und der Gewerkschaften: Denn bei einem Verkauf würde sich der Turiner Traditionskonzern völlig aus dem Autogeschäft verabschieden.

In einem Interview mit der „Financial Times“ hielt Fiat-Chef Sergio Marchionne den Druck auf GM aufrecht: „Ihr Argument ist - ehrlich gesagt - völlig haltlos.“ Der US-Konzern könne sich in diesem Fall wohl nicht aus der Verantwortung ziehen. GM schreibt in Europa seit Jahren Verluste und hat daher für die Region jüngst einen harten Sparkurs angekündigt. Im Zuge dessen sollen in Europa 12 000 Stellen wegfallen, davon rund 10 000 bei Opel in Deutschland.

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