Marktbereinigung
Solarbranche verliert an Glanz

Jahrelang befand sich die Solarbranche auf der Sonnenseite und glänzte mit starkem Umsatzwachstum. Doch der Preisrutsch für Solarzellen und Überkapazitäten in der Produktion machen der einstigen Boombranche zu schaffen. Einige Unternehmen könnten vom Markt verschwinden.

DÜSSELDORF. Bereits eine vage Andeutung des Vorstandes über ein vielleicht „moderates Umsatzwachstum 2009 bei einem unterproportionalen Anstieg des bereinigten Konzernergebnisses“ genügte gestern, um den Aktienkurs des Berliner Solarunternehmens Solon um mehr als zehn Prozent steigen zu lassen. Sebastian Growe, Analyst bei Equinet, wertete dies als positive Überraschung, denn er war bisher von einem Gewinnrückgang ausgegangen. Dabei hatte sich der Solon-Vorstand standhaft geweigert, eine konkrete Prognose abzugeben und will dies erst im Jahresverlauf nachholen.

Der Berliner Hersteller von Solarmodulen und Anbieter von Photovoltaiksystemen für solare Großkraftwerke gilt in der Branche als Wackelkandidat. Denn Solon hatte bereits im vergangenen November als einer der ersten großen deutschen Solarkonzerne die Prognosen sowohl für 2008 als auch für 2009 zurückgenommen. Die Unsicherheiten seien zu groß, erklärte Vorstandschef Thomas Krupke. Gestern räumte Solon ein, dass das erste Quartal schlechter als erwartet gelaufen und ein Verlust in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres möglich sei. Wegen der Unsicherheit und der hohen Verschuldung des Unternehmens raten viele Analysten wie die WestLB oder Unicredit zum Verkauf der Aktie.

Solon leidet wie derzeit viele Solar-Unternehmen unter dem weitgehenden Wegfall des großen Marktes Spanien. Nach dem Boom der vergangenen Jahre hat die Regierung den Bau neuer Solaranlagen auf ein sehr niedriges Niveau begrenzt. Solon hatte dort in der Vergangenheit mehr als 40 Prozent seines Umsatzes gemacht. Zudem ist die Knappheit des Rohstoffs Silizium und der Mangel an Solarzellen vorbei, der Solarmarkt hat sich von einem Verkäufer- zu einem Käufermarkt gewandelt. Der einsetzende Preisverfall macht vielen Solarfirmen zu schaffen und erhöht die Unsicherheit.

Favorit vieler Marktbeobachter ist Solarworld. „Das Unternehmen zeigt die geringsten Risiken und hat die am wenigsten ambitionierten Ziele“, sagt Katharina Cholewa von der WestLB. Doch auch der sonst notorisch optimistische Solarworld-Chef Frank Asbeck ist vorsichtig geworden und traut sich nur noch eine Umsatzprognose für 2009 zu: Der Umsatz des Bonner Unternehmens soll über einer Mrd. Euro liegen nach 900 Mio. Euro für das vergangene Jahr, allerdings auch nur, wenn sich die Wirtschaft stabilisiert.

Zum erwarteten Gewinn äußert sich Asbeck nicht mehr, nachdem er im Vorjahr mehrmals die Erwartungen der Analysten enttäuscht hat. Asbeck rechnet mit einem Preisrückgang am Solarmarkt von bis zu 20 Prozent und nur noch einem Wachstum des Weltmarktes von zehn Prozent – 20 bis 30 Prozent wie früher seien nicht mehr realistisch. „Es werden einige Wettbewerber ausscheiden. Zwölf bleiben übrig, davon drei in Deutschland“, meint Asbeck. Seines gehöre natürlich dazu.

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