Marktgerüchte
RWE plant Verkauf des Hochspannungsnetzes

Medienberichten zufolge plant RWE den Verkauf seines Netzbetreibers Amprion. Für den Konzern wäre das eine Kehrtwende: Bisher hatte RWE immer klar betont, an den Netzten festhalten zu wollen. Die EU-Kommission drängt seit Jahren auf einen Verkauf.
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HB DÜSSELDORF. Der Energiekonzern RWE will einem Zeitungsbericht zufolge einen Teil seines Hochspannungsnetzbetreibers Amprion verkaufen. Die „Westfälische Rundschau“ berichtete in einem am Dienstag veröffentlichten Vorabbericht ohne Angabe von Quellen, knapp 75 Prozent der Anteile des Netzbetreibers sollten an einen Rentenfonds gehen. Eine Sprecherin von RWE sagte dazu: „Wir kommentieren Marktgerüchte grundsätzlich nicht. RWE betrachtet das Netzgeschäft der Amprion GmbH als wichtigen Bestandteil seiner Strategie als integrierter Versorger.“

Amprion mit Sitz in Dortmund beschäftigt 850 Mitarbeiter und betreibt ein Netz von einer Länge von 11 000 Kilometern. Mit einem Verkauf würde RWE eine Kehrtwende vollziehen, hatte der Konzern in der Vergangenheit doch stets erklärt, an seinen Stromnetzen festhalten zu wollen. Allerdings steht der Versorger inzwischen wegen Belastungen aus dem Atomkompromiss erheblich unter Druck. Vor allem wegen der Brennelementesteuer rechnet RWE 2011 mit einer Belastung des für die Dividende entscheidenden nachhaltigen Nettoergebnisses von 500 Mio. Euro. Der Konzern will daher seinen Sparkurs fortsetzen. Nach der Aufsichtsratssitzung im September hatte der Konzern angekündigt, die Veräußerung von Geschäftsbereichen zu prüfen.

Milliardeninvestitionen in Stromnetze notwendig

MerckFinck-Analyst Theo Kitz sagte, ein Verkauf des Hochspannungsnetzes wäre überraschend, hatte RWE doch vor nicht allzu langer Zeit noch angeboten, die Führung aller großen Stromtrassen in Deutschland zu übernehmen. Andererseits müsse der Konzern schauen, wie er die Belastungen aus dem Atomkompromiss kompensiere, ohne die Dividende zu kürzen. „Da könnte ein Verkauf von Teilen von Amprion notwendig sein.“

In die deutschen Stromnetze müssen wegen des geplanten Ausbaus des Ökostroms in den kommenden Jahren Milliardensummen investiert werden. Die Netzbetreiber haben immer wieder vermeintlich geringe Renditen für Investitionen in die Leitungen beklagt, was die Bundesnetzagentur zurückgewiesen hat. Ein Sprecher der Behörde sagte am Dienstag, ihm seien keine Verkaufspläne von RWE bekannt. Dem Bundeskartellamt liegt nach eigenen Angaben keine Anmeldung für eine Übernahme vor.

Die EU-Kommission drängt die Energieriesen aus Wettbewerbsgründen seit Jahren zu einer Abgabe der großen Stromtrassen. Die RWE-Konkurrenten E.ON und Vattenfall haben ihre deutschen Hochspannungsnetze inzwischen verkauft. Unter dem Druck der EU-Kommission treibt RWE derzeit den Verkauf seines deutschen Ferngasnetzes voran. Von den Wettbewerbshütern in Brüssel war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

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