Marktmacht von Alcoa und Alcan
Airbus hat Angst vor der Mega-Aluminium-Fusion

Die angekündigte Übernahme des kanadischen Aluminiumproduzenten Alcan durch seinen US-Konkurrenten Alcoa hat die industriellen Abnehmer aufgeschreckt. Insbesondere die Flugzeughersteller sind extrem auf die Lieferungen der Metallhersteller angewiesen. Airbus hegt schlimme Befürchtungen.

HB DÜSSELDORF. Der Flugzeughersteller hat angesichts des milliardenschweren Übernahmeangebots des US-Aluminiumkonzerns Alcoa für Alcan als einer der ersten Kunden Bedenken geäußert. Milliardenfusionen von Metallunternehmen seien Grund zur Sorge, weil dadurch die Entwicklung und der Preis des Rohstoffes beeinflusst werden könnte, teilte Airbus am Montag mit. „Airbus wird die weitere Entwicklung bei Alcoa sehr genau beobachten.“ Alcoa hatte am Montag ein 27 Milliarden Dollar schweres feindliches Übernahmeangebot für den kanadischen Konkurrenten Alcan vorgelegt. Bei einer Fusion entstünde der Marktführer bei Aluminium mit einem Marktanteil von etwa 25 Prozent.

Flugzeughersteller wie Airbus und Boeing sind besonders auf das Leichtmetall angewiesen, auch wenn in neueren Modellen wie dem A 350 XWB oder der Boeing-787 vermehrt Carbonteile eingesetzt werden. Dennoch gehört Aluminium immer noch zu den wichtigsten Rohstoffen für die Flugzeug-Produktion.

Der US-Aluminiumriese Alcoa, gemessen am Umsatz die Nummer eins der Branche, hatte gestern angekündigt, den kanadischen Konkurrenten Alcan kaufen zu wollen. Das fusionierte Unternehmen mit weltweit 188.000 Mitarbeitern würde einen Umsatz von 54 Mrd. Dollar und ein Betriebsergebnis (Ebitda) von 9,5 Mrd. Dollar erreichen, sagte Alcoa-Chef Alain Belda. Die Führungsspitzen beider Konzerne hätten seit zwei Jahren erfolglos über eine einvernehmliche Fusion verhandelt.

Nach Ansicht von Branchenexperten steht Alcan unter Druck. In jüngster Zeit waren Gerüchte aufgetaucht, wonach die beiden australischen Rohstoffgiganten BHP Billiton und Rio Tinto unabhängig voneinander eine Übernahme Alcoas planten. Zudem gefährdet ein neu geschaffener russischer Konkurrent die Führungsrolle Alcoas. Erst vor wenigen Wochen hatte der größte Aluminiumhersteller Russlands, Rusal, mit dem kleineren Konkurrenten Sual sowie dem schweizerischen Metallhändler Glencore fusioniert und Alcoa mit einer Jahresproduktion von 3,9 Mill. Tonnen knapp überholt. Mit einer Übernahme Alcans wäre die alte Rangordnung wieder hergestellt. Gemeinsam verfügen Alcoa und Alcan über eine jährliche Produktionskapazität von 7,8 Mill. Tonnen oder 30 Prozent Weltmarktanteil.

Anders als etwa die Stahlindustrie, die derzeit ebenfalls prächtig verdient, ist die Aluminiumbranche bereits stark konzentriert. Die drei größten Anbieter kontrollieren mehr als 50 Prozent des Weltmarkts. Die Kartellbehörden dürften deshalb die geplante Fusion nur unter Auflagen genehmigen. Außerdem dürfte Alcoa den Konkurrenten wohl nicht zu dem gebotenen Preis bekommen, denn der Alcan-Kurs lag gestern zehn Prozent über dem Übernahmeangebot. Nach einem Zusammenschluss müssten Alcan und Alcan wahrscheinlich Teile ihrer Produktion in einigen Ländern wegen einer marktbeherrschenden Stellung abgeben.

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