Marokkanische Fabrik birgt Probleme
Strumpfhersteller Kunert muss neue Löcher stopfen

Der Strumpfhersteller Kunert mit den Marken Kunert, Burlington und Hudson steckt auch zwei Jahre nach dem Einstieg einer Investorengruppe in finanziellen Schwierigkeiten. Der Aufbau der neuen Strickfabrik in Marokko hat im vorigen Jahr zu Lieferengpässen geführt.

tak DÜSSELDORF. Der Umsatz des Allgäuer Unternehmens brach um zehn Prozent auf 93,9 Mill. Euro ein, das Ergebnis ist mit einem Minus von 8,7 Mill. Euro nach wie vor rot. Um wieder profitabel wachsen zu können, sollen die Aktionäre auf der Hauptversammlung am 31. Juli wie schon im Jahr 2005 einen Kapitalschnitt mittragen. Das Grundkapital soll von knapp 14 auf 4,7 Mill. Euro herabgesetzt und anschließend eine Kapitalerhöhung beschlossen werden. Die Kapitalerhöhung soll durch die Ausgabe von 20 Millionen neuer Stammaktien erfolgen. Die Finanzverbindlichkeiten sollen so fast vollständig um bis zu 20 Mill. Euro reduziert werden.

„Das neue Management hat Kunert völlig neu aufgestellt und Herstellung, Vertrieb und Marketing neu ausgerichtet“, sagte Aufsichtsratschef Michael Hollmann. Ein stabiler Finanzrahmen sei für zukünftiges Wachstum die notwendige Voraussetzung. Der Markt schenkte den neuen Plänen allerdings wenig Glauben. Die Aktie brach am Freitag um über 40 Prozent auf drei Euro ein.

Kunert steckt seit Jahren in der Krise. Die Produktionsverlagerung von Europa nach Asien und Afrika wurde zu spät angegangen. Zudem schaffte es Kunert nicht, sich wie die Konkurrenz vom Bodensee, Wolford, oder aus dem Sauerland, Falke, als Luxus- oder Innovationsmarke zu positionieren.

Seit Ende der 90er Jahre befindet sich Kunert im freien Fall: Die Umsätze brachen Jahr für Jahr ein, dem Vorstand gelang es nicht, die börsennotierte Firma profitabel zu machen. Daneben schmolz das Eigenkapital bedrohlich zusammen. Neue Hoffnung kam im Sommer 2005 durch eine Investorengruppe um die Londoner Dependance der Deutschen Bank.

Kapitalerhöhung

Die neuen Investoren übernahmen die Kredite von Kunert und beteiligten sich gleichzeitig an einer Kapitalerhöhung. Seitdem gehören ihnen rund 30 Prozent der Firma. Die Mehrheit der Aktien ist in Streubesitz. Die Familie Kunert – zuvor noch der größte Einzelaktionär – besitzt seitdem nur noch rund neun Prozent der Anteile. Als eine der ersten Maßnahmen tauschten die neuen Großaktionäre die Führungskräfte aus. Der gesamte Vorstand sowie zahlreiche Manager der zweiten Reihe mussten gehen. Doch das war erst der Anfang. Die neue Führungsspitze machte sich daran, die Kosten zu senken. „Wir haben die Restrukturierung im ersten Quartal 2007 abgeschlossen, und konzentrieren uns jetzt darauf, profitabel zu wachsen“, sagte Vertriebsvorstand Michael Stoermer am Freitag in Immenstadt. Für das laufende Jahr erwarte man eine schwarze Null beim Ebit.

Eine Umkehr des Negativtrends gilt allerdings als schwer. Denn der Umsatzeinbruch von zehn Prozent bei Kunert ist noch weit unter der negativen Branchenentwicklung. Die Umsätze schrumpfen aufgrund sinkender Durchschnittspreise seit Jahren. Die Deutschen kaufen ihre Socken nicht mehr im Facheinzelhandel, sondern im Vorbeigehen zu Niedrigpreisen im Discounter oder beim Kaffeeröster Tchibo.

Nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels ging der Umsatz mit Strumpfwaren im Fachhandel 2006 bei den Damen um zwei und bei den Herren um vier Prozent wieder zurück. Aus diesem Grund gibt es bei den erfolgreichen Wettbewerbern Falke und Wolford längst nicht mehr nur Socken und Strumpfhosen, sondern auch Unterwäsche, Oberbekleidung und Bademode.

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