Martin van Vugt
Deutschland-Chef verlässt Kia

Überraschender Abgang beim koreanischen Autobauer Kia: Deutschland-Chef Martin van Vugt verlässt die Hyundai-Tochter. Damit geht innerhalb weniger Wochen bereits der zweite Top-Manager aus der Führungsriege.
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FrankfurtNach Jahren rasanten Wachstums schwächelte der koreanische Autobauer Kia zuletzt auf dem deutschen Automarkt. Nun geht auch noch ein wichtiger Manager von Bord: Deutschland-Geschäftsführer Martin van Vugt hat das Unternehmen verlassen – auf eigenen Wunsch, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Neben dem koreanischen Geschäftsführer Jin Ha Kim hatte der Niederländer als COO seit Februar 2011 das Deutschland-Geschäft von Kia geleitet. Vorerst soll nun Tom Ring, Direktor für Vertrieb und Händlernetz seine Aufgaben übernehmen.

Über die Gründe seines Abgangs schweigt das Unternehmen. Doch die Personalquerelen der deutschen Tochter scheinen unübersehbar: Denn mit van Vugt geht innerhalb weniger Wochen bereits der zweite Top-Manager aus der Führungsriege von Kia Deutschland. Ende Juli war Hyeong Yeob Bae als deutscher Geschäftsführer für die Finanzen (CFO) durch Ho Kyung Seo ersetzt worden.

Zuletzt hatten die Koreaner, die über Jahre zweistellig im deutschen Markt zulegen konnten, merklich geschwächelt. Noch bei seinem Amtsantritt im Jahr 2011 hatte van Vugt optimistische Ziele formuliert: Bis 2016 wollte er mehr als 100.000 Fahrzeuge verkaufen. Doch schon das Etappenziel von 70.000 Fahrzeugen im Jahr 2013 wurde zuletzt verpasst.

Mit 55.654 verkauften Autos im Jahr lag Kia zwar 1,6 Prozent über dem Vorjahr. Das ist zwar stärker als der Markt, doch schwach im Vergleich zum teilweise zweistelligen Wachstum der Vorjahre. In Deutschland kommt Kia derzeit auf einen Marktanteil von 1,9 Prozent. Konzernschwester Hyundai erreicht dagegen etwa 3,4 Prozent.

Die Koreaner haben derzeit gleich mit mehreren Problemen auf dem deutschen Markt zu kämpfen. Das einzige europäische Werk im slowakischen Zilina eilt zwar von Produktionsrekord zu Produktionsrekord, doch den Großteil der Fahrzeuge, insgesamt 1,6 Millionen, produziert Kia immer noch in Korea. 70 Prozent gehen in den Export. Dabei sind die Voraussetzungen nicht gerade exportfreundlich: Die starke Aufwertung der heimischen Währung hemmt den Außenhandel. Der koreanische Won hatte damit zuletzt den Gewinn belastet.

Auch das Händlernetz sorgt für Probleme: Van Vugt hatte Anfang 2012 das Händlernetz massiv umgebaut. Händler ohne Anschlussvertrag hätten daraufhin deutlich weniger Autos verkauft, hatte van Vugt in einem Interview mit der „Automobilwoche“ im April eingestehen müssen.

120 Standorte seien durch die Restrukturierung verloren gegangen, nur 60 seien neu besetzt worden. „Die Ziele in der aktuellen Situation zu erreichen, ist schwierig, aber das ist doch herrlich, denn in jeder sogenannten Krise steckt auch eine Chance“, sagte van Vugt damals. Eine Chance, die jetzt wohl sein Nachfolger ergreifen muss.

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