Martin Wansleben
„Am Anfang steht immer die Marktanalyse“

„Viele deutsche Mittelständler sind bereits auf den Weltmärkten zu Hause“, sagt Martin Wansleben. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages spricht im Interview über Chancen und Risiken von Auslandsinvestitionen und über den Wert ausländischer Investitionen für den Standort Deutschland.

Handelsblatt: Was müssen wir tun, damit deutsche Mittelständler sich im Ausland behaupten können?

Martin Wansleben: Viele deutsche Mittelständler sind bereits auf den Weltmärkten zu Hause. Wir beobachten, dass nunmehr auch die kleineren Unternehmen und solche, deren Märkte eher zu Hause liegen, den Schritt hin in alle Welt wagen. Am Anfang steht immer die genaue Marktanalyse: Wie sieht der Markt für meine Produkte vor Ort aus? Wie ist die Personal- und Infrastruktursituation, welche kulturellen Unterschiede gilt es zu überbrücken? Oder: Wie finde ich geeignete Geschäftspartner? Nur wer die entscheidenden Bedingungen kennt, der kann Risiken vermeiden und vor allem Chancen nutzen.

Russland, China, Indien sind riesige Absatzmärkte für deutsche Unternehmen – welche anderen Regionen bieten Chancen?

Die wichtigsten Märkte liegen nach wie vor in der EU bzw. in den EFTA-Staaten. Etwa 92 Prozent aller deutschen Firmen sind hier aktiv. Russland, China und Indien mit den ihren Absatzchancen sind und werden zunehmend wichtig. Aber es gibt anderer Zielmärkte, die sich in den nächsten zwei bis fünf Jahren sicherlich positiv entwickeln werden. Märkte wie Brasilien, Argentinien, Rumänien oder auch Griechenland werden genannt. Andere Unternehmen favorisieren die Märkte Südostasiens.

Welchen Stellenwert haben ausländische Investitionen?

Ausländische Investitionen schaffen hierzulande Arbeitsplätze und stärken den Standort. Insofern sind ausländischen Investoren willkommen. Deutschland darf sich nicht davor abschotten. Das könnte auch dazu führen, dass im Gegenzug unseren Unternehmen Investitionsmöglichkeiten im Ausland verbaut werden.

Wie können wir die deutsche Außenwirtschaftsförderung institutionell verbessern? Ebenso die Bedingungen für ausländische Investoren in Deutschland?

Die Zusammenarbeit der Akteure vor Ort – neben den deutschen Auslandshandelskammern (AHK) sind dies die deutschen Auslandsvertretungen und die Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) – hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt. Wir werden hieran weiterhin arbeiten. Bei „Invest in Germany“ sind jetzt die Weichen neu gestellt worden. Die Entscheidungen zeigen in Richtung Integration und Kooperation mit den Standortfördergesellschaften der Länder und dem weltweiten AHK-Netz. Denn in einer globalisierten Welt sollten Investitionsströme nicht einseitig sein: Die Förderung von Investitionen und Aktivitäten deutscher Firmen im Ausland und das Einwerben ausländischer Investitionen nach Deutschland sind die beiden Seiten der Außenwirtschafts-Medaille.

Wie beschreiben Sie den Ausbaustand des AHK-Netzwerks?

Mit unserem AHK-Netz sind wir auf den relevanten Märkten präsent. Hier finden 98 Prozent des deutschen Außenhandels statt. Und das AHK-Netz wächst weiter: So werden im nächsten Jahr im Rahmen der G8-Afrika-Initiative drei Delegationen der Deutschen Wirtschaft in Afrika gegründet. Auch die Gründung einer Auslandshandelskammer in Moskau Ende dieses Jahres baut unsere Präsenz dort aus.

Was steckt hinter der Marke DEinternational?

„DEinternational“ steht für die weltweite Vernetzung der AHK-Dienstleistungen. Ein Unternehmen, das sich z. B. überlegt, ob es sich in Brasilien, Indien oder Kanada engagieren soll, braucht Vergleichsdaten. Deshalb erledigen die AHKs Kundenaufträge jetzt auch im Verbund.

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