Maschinenbau
Auftragsplus fällt geringer aus

Die außerordentlich guten Zeiten sind vorbei: Die deutschen Maschinenbauer richten sich nach der Auftragsflut der vergangenen Monate auf schwächere Wachstumsraten ein.
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FRANKFURT. Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer lassen die Krise zunehmend hinter sich. Allerdings verlangsamt sich das Tempo der Aufholjagd. Im September verbuchten die Unternehmen nach Angaben des Branchenverbandes VDMA real 28 Prozent mehr Aufträge als noch im September des Vorjahres.

Im Juli und August hatten die Wachstumsraten noch bei 48 und 45 Prozent gelegen. „Die Investoren schalten offensichtlich aus der Beschleunigung in den Normalmodus“, sagte der seit Oktober amtierende neue Verbandspräsident Thomas Lindner in Frankfurt. „Nachholeffekte verleihen kaum noch zusätzliche Impulse.“

Inländische Kunden bestellten im September 33 Prozent mehr als im Vorjahr, aus dem Ausland kamen 26 Prozent mehr Aufträge. Aus der höheren Wachstumsrate im Inland will Lindner aber keinen Trend zu einem starken Anspringen der Inlandskonjunktur sehen. Dies seien eher zufällige Monatsschwankungen. Nach wie vor beruht das Wachstum des Maschinen- und Anlagenbaus vor allem auf dem starken Export. Der Maschinenbau erzielt über 75 Prozent seines Umsatzes im Ausland.

Trotz der hohen Wachstumsraten bei den Aufträgen ist die überwiegend mittelständische Branche noch nicht wieder auf dem Niveau des Rekordjahres 2007. „Wir befinden uns in der Produktion auf dem Niveau vom Sommer 2006“, sagte Lindner. Die Auslastung der Betriebe lag im Oktober bei 84 Prozent, der langfristige Mittelwert liegt bei 86 Prozent. „Dies ist noch nicht optimal, aber wir gehen mit gewaltigen Schritten darauf zu“, sagte der VDMA-Präsident.

Im vergangenen Jahr hatte die mit einem Umsatz von 161 Mrd. Euro nach der Autoindustrie zweitgrößte deutsche Industriebranche ein Umsatzminus von 23 Prozent verbucht. Für das laufende Jahr erwarten die Maschinenbauer ein Wachstum der Produktion von sechs Prozent und im nächsten Jahr acht Prozent.

Inzwischen klagt die Branche bereits wieder über unbesetzte Stellen, vor allem bei Ingenieuren. Aktuell seien 5 000 Ingenieurstellen unbesetzt, sagte Lindner. Insgesamt sind rund 16 Prozent der knapp 910 000 in der Branche beschäftigten Mitarbeiter Ingenieure. Der Mangel an Fachkräften könne zu einer Wachstumsbremse werden. „Eine gezielte Zuwanderung von Fachkräften ist hilfreich“, sagte Lindner. Er rechnet aber nicht mit einem allgemeinen Stellenaufbau, da in vielen Unternehmen die Kapazitäten noch nicht ausgelastet seien.

Auch in der Elektroindustrie, der zweiten großen Investitionsgüterbranche, ist der Aufwärtstrend ungebrochen. Im August verbuchte die Branche 27 Prozent mehr Aufträge als vor einem Jahr. Aus dem Ausland kamen 34 Prozent mehr Bestellungen, inländische Kunden bestellten 21 Prozent mehr als im August 2009. Die Elektroindustrie erwartet für 2010 ein Wachstum von acht Prozent.

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