Maschinenbau zum Trump-Sieg „Es kann sein, dass die fünf guten Jahre in den USA vorbei sind“

Protektionismus und neuen Handelsschranken in den USA: Die möglichen Folgen des Wahlsiegs von Donald Trump versetzen den deutschen Maschinenbau in Angst. Deutschlands größte Industriebranche hat viel zu verlieren.
Rund 78 Prozent aller in Deutschland hergestellten Maschinen wandert in den Export. Quelle: dpa
Maschinenbau

Rund 78 Prozent aller in Deutschland hergestellten Maschinen wandert in den Export.

(Foto: dpa)

BerlinDrei Tage nach dem triumphalen Erfolg von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen lösen sich die deutschen Maschinenbauer langsam aus ihrer Schockstarre. „Wir können und müssen dem neuen US-Präsidenten selbstbewusst entgegentreten“, sagte der scheidende Präsident des Branchenverbandes VDMA, Reinhold Festge auf der Mitgliederversammlung am Freitag in Berlin. „Es wäre fatal, wenn wir von vornherein einknicken würden.“

Da schwang viel Hoffnung mit, dass vielleicht nicht alles so schlimm kommen wird, wie zunächst befürchtet. Denn die Maschinenbauer haben viel zu verlieren: Keine Industriesparte ist so von offenen internationalen Märkten abhängig wie die stark mittelständisch geprägte Branche mit über einer Million Beschäftigten. Rund 78 Prozent aller in Deutschland hergestellten Maschinen wandert in den Export.

Sollte der designierte US-Präsident Trump seine Drohungen im Wahlkampf wahrmachen und den US-Markt vor unliebsamer Konkurrenz abzuschotten, hätte dies unmittelbare Auswirkungen auf die deutsche Vorzeigebranche. „Nationalismus und Protektionismus sind der falsche Weg, das hat uns die Geschichte immer wieder gelehrt"“ mahnte denn auch Festge. „Offene und freie Märkte sichern dagegen unseren Wohlstand und unsere Arbeitsplätze.“

Seit wenigen Monaten ist für die Maschinenbauer die Welt nicht mehr so, wie sie es lange gewohnt waren: Erst der Brexit in Großbritannien (immerhin der viertwichtigste Absatzmarkt für den Industriezweig) und jetzt die Unsicherheit über den künftigen wirtschaftspolitischen Kurs Amerikas. Die Supermacht hat China im vergangenen Jahr als wichtigsten Exportmarkt für die deutschen Maschinenbauer abgelöst – und die Branche in wirtschaftlich stürmischen Zeiten auf vielen Absatzmärkten wie Brasilien oder Russland gestützt.

Denn die starke Nachfrage aus den USA im Zuge der Re-Industrialisierung des Landes nach deutschen Maschinen um durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr konnte vor allem die konjunkturelle Schwäche Chinas mit rückläufigen Bestellungen ausgleichen. Produktion und Neubestellungen der Branche gehen zwar seit einiger Zeit nicht mehr nach oben, halten sich aber stabil auf hohem Niveau.

Für das kommende Jahr war sogar ein leichtes Wachstum angepeilt – ob es dazu kommt, hängt viel von den ersten politischen Entscheidungen des neuen Präsidenten ab. Maschinen und Anlagen im Wert von 17 Milliarden Euro haben die deutschen Unternehmen im vergangenen Jahr in die Vereinigten Staaten ausgeführt, das sind rund elf Prozent aller Maschinenbauexporte: „Es kann gut sein, dass die fünf guten Jahre in den USA erst einmal vorbei sind“, sagte Rainer Hundsdörfer, designierter Vorstandschef des Druckmaschinen-Herstellers Heidelberger Druck.

So reagieren die CEOs auf Trumps Sieg
Bernd Scheifele, Heidelberg-Cement-Chef
1 von 10

„Kurzfristig erwarte ich große Unsicherheit, die vor allem Investitionen beeinträchtigt. Die Volatilität bei Zinsen oder Währungskursen und die Unsicherheit bei Themen wie Handelsabkommen mit China, Nafta und Europa oder auch der Unternehmensbesteuerung wird zunehmen. Deshalb werden vor allem multinationale Konzerne vorsichtig sein und sich bei Investitionen zurückhalten. Das ist eine ganz normale Reaktion. Wir müssen auf Sicht fahren. 2017 rechnen wir mit deutlichen Bremsspuren in der US-Wirtschaft. Trump ist programmatisch nicht vorbereitet. Er ist beim politischen Establishment isoliert auch in seiner republikanischen Partei. Man muss abwarten, bis die wichtigen Ministerposten besetzt sind. Das wird dauern. Die Unsicherheit wird auf der anderen Seite für einen Anstieg des Dollarkurses sorgen, wovon wir wiederum profitieren würden, da wir 25 Prozent unseres Umsatzes in Dollar erzielen.

Mittelfristig sehe ich für unsere Industrie positive Effekte. Trump hat sich ganz klar für einen Ausbau der Infrastruktur ausgesprochen, viel stärker noch als Clinton. Nur so kann er schnell Jobs schaffen. Ob das Thema Mauerbau an der mexikanischen Grenze tatsächlich kommt, muss man erstmal abwarten. Wenn ja, wären wir mit Zementwerken in Texas und Arizona gut vorbereitet.“

Thomas Rabe, Bertelsmann-Chef
2 von 10

"Die US-Amerikaner haben demokratisch entschieden. Die USA sind für Bertelsmann als internationales Medien-, Dienstleistungs- und Bildungsunternehmen der weltweit zweitgrößte Markt und damit von großer strategischer Bedeutung. Bertelsmann setzte dort mit 11.000 Mitarbeitern im Jahr 2015 rund 4 Mrd. Euro um – mit wachsender Tendenz. Nach der langen Wahlkampfperiode ist es nun an der Zeit, die Gesellschaft wieder zu einen und rasch zu Sachthemen zurückzukehren. Politische, gesellschaftliche und auch wirtschaftliche Stabilität sind für unser Unternehmen die Voraussetzung für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der US-Geschäfte."

Olaf Berlien, Osram-Chef
3 von 10

"Er ist ein demokratisch gewählter Präsident, das ist zu akzeptieren. Jetzt ist der Blick nach vorne zu richten, wie das Land geeinigt wird."

Stefan Wolf, Vorsitzender Südwestmetall und Elring-Klinger-Chef
4 von 10

"Ich hätte nach den Umfragen nicht erwartet, dass Trump auf der Zielgeraden Clinton noch abfängt. Ich persönlich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht, aber die amerikanischen Wähler haben nun so entschieden. Meine Befürchtung ist, dass Trump in der Wirtschafts- und Handelspolitik den amerikanischen Interessen rigoros den Vorzug geben wird. Jedenfalls hat er einem weiteren Ausbau des Freihandels, etwa über das TTIP-Abkommen, bisher eine klare Absage erteilt, TTIP dürfte damit tot sein. Für unsere Industrie, für die die USA der wichtigste Exportmarkt sind, wäre das schädlich - übrigens langfristig auch für die US-Wirtschaft. Dass Trump außenpolitisch zurückhaltender auftreten und weniger aggressiv gegenüber Russland agieren will, gegebenenfalls auch die Sanktionen aufhebt, darauf würde ich mich nicht verlassen. Dazu sind seine außenpolitischen Positionen bislang zu wenig klar und zum Teil widersprüchlich.

Was mir wirklich Sorgen bereitet, ist die Frage, wie Trump die amerikanische Gesellschaft wieder zusammenführen will. Nicht zuletzt er selbst hat ja zu der erkennbaren Spaltung durch einen extrem aggressiven Wahlkampf maßgeblich beigetragen. Er sollte also dringend seine eigenen Anhänger beschwichtigen und auch auf die Clinton-Wähler zugehen. Denn er ist der Präsident aller US-Amerikaner."

Bernhard Rohleder (r.), Hauptgeschäftsführer Bitkom
5 von 10

"Die digitale Wirtschaft steht für Grundwerte wie die freie Meinungsäußerung und Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Der Grundsatz des Respekts gerade gegenüber demokratischen Entscheidungen gilt auch mit Blick auf die aus deutscher Perspektive erstaunlichen Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen in den USA. Sie sind ein Signal, die digitale Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen und die Inklusion weltweit zu stärken, und eine Spaltung der Gesellschaft zu verhindern.

Die digitale Wirtschaft wird weiterhin für Freiheit und internationale Vernetzung eintreten. Sie wird sich für eine Verbesserung des Bildungswesens und den freien Zugang zu Informationen stark machen. Die besten Mittel gegen diffuse Ängste und Populismus sind eine ausgezeichnete Bildung - und ein eigener klarer Kopf."

Johannes Teyssen, Eon-Chef
6 von 10

"Die transatlantische Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Europa bleibt auch für die Wirtschaft ein unverzichtbarer Bestandteil für Wachstum und damit für den Wohlstand der Menschen auf beiden Kontinenten.

Ich bin fest davon überzeugt, dass diese langen, historisch gewachsenen Bindungen stark bleiben und sich weiter entwickeln werden. Wir hoffen, dass die USA auch beim Ausbau erneuerbarer Energien und damit beim Klimaschutz in den kommenden Jahren ein verlässlicher Partner sein werden."

Karl-Heinz Streibich, Software-AG-Chef
7 von 10

"Ich bin zuversichtlich, dass der zukünftige Präsident der USA die wirtschaftliche Partnerschaft mit Deutschland und der ganzen Welt fortführen wird. Die Vergangenheit hat klar gezeigt, dass insbesondere die amerikanische Wirtschaft, wie auch Gesellschaft, vom freien und globalen Handel profitierte."

Sorge bereitet den Maschinenbau-Managern vor allem die wachsende Tendenz in vielen Ländern, die eigenen Märkte gegen die Konkurrenz abzuschotten. „35 Prozent unserer Exporte wickeln wir mit Ländern ab, die mittlere oder hohe Importhürden aufgebaut haben“, sagte Hundsdörfer. „Und diese Zahl nimmt weiter zu.“ Sollte die neue US-Regierung wie angekündigt neue Schutzzölle erheben oder gar die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Mexiko und Kanada in der nordamerikanischen Freihandelszone Nafta überdenken, hätte das erhebliche Auswirkungen auf Investitionsentscheidungen. „Import ist gleich Export“, sagte Hundsdörfer. Kunden, Zulieferer und Hersteller seien so stark vernetzt, dass Zölle oder schärfere Grenzkontrollen erheblichen Schaden für alle Seiten auslösen könnten.

Dennoch will Festge, dessen Amtszeit am Freitag auslief und dem der Kölner Familienunternehmer Carl Martin Welcker folgt, nicht vorzeitig klein beigeben: „Ich bin zuversichtlich, dass wir auch künftig gute Geschäfte mit den Amerikanern machen werden", sagte er – und gab dem neuen US-Präsidenten eine eigene Erfahrung aus den vergangenen drei Jahren als Verbandsvertreter mit auf den Weg: „Politik funktioniert nicht wie ein Unternehmen. Das wird Herr Trump auch noch lernen müssen.“

Startseite
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%